Das neue „Gesicht“ der Hochschule: Interview mit h_da-Architekt Ulrich Lohschelder zum Studierendenhaus

Das Gerüst ist abgebaut, die Fassade des Studierendenhaus strahlt in der Sonne und macht schon jetzt neugierig auf den ersten Rundgang. Wann es so weit ist, verrät Ulrich Lohschelder, zuständig für den Bereich Neubauten in der Abteilung Bau und Liegenschaften der h_da, im Interview. Der Architekt erklärt außerdem, was ihm an der Fassade des Studierendenhauses gut gefällt, warum der Zeitplan trotz Corona zu schaffen ist, wann die ersten Abteilungen einziehen dürfen – und wie es in den kommenden Jahren mit der Campusentwicklung weitergeht.

Ein Interview von Christina Janssen, Redakteurin Hochschulkommunikation

„Fassaden müssen emotional sein“, habe ich kürzlich in einem Interview gelesen. Stimmt das?

Lohschelder: Fassaden sind das „Gesicht“ eines Gebäudes und der erste Eindruck, der sich den Besuchern zeigt. Daher spricht man ja landläufig auch von „gesichtslosen“ Fassaden, wenn man Gebäude sieht, die eher beliebig und damit austauschbar sind. Die Fassade soll dem Gebäude einen gewissen Charakter verleihen und, wenn man so möchte, „emotional“ sein.  Wenn man vom h_da-Hochhaus absieht, das ja quasi von jedem Punkt in der Stadt wahrnehmbar ist, ist das Studierendenhaus das erste Gebäude, dem unsere Gäste aus Richtung Innenstadt am Campus Schöfferstraße begegnen. Die Fassade des Studierendenhauses ist deshalb nicht nur das Gesicht des Gebäudes, sondern eigentlich das Gesicht der Hochschule. Es hat sich also doppelt gelohnt, sich über die Gestaltung der Fassade Gedanken zu machen. Und ich meine, dass die Fassade diesem Anspruch auch gerecht wird.

Welche Emotionen drückt das neue „Gesicht“ unserer Hochschule aus?

Lohschelder: Es gibt eigentlich zwei Ebenen, auf denen die Fassade wirkt: Zum einen ist es die ruhige, sachliche und klar gegliederte Erscheinung des Gebäudes aus der Ferne, die über die Fassadengestaltung ein modernes Gebäude und damit eine moderne Hochschule repräsentiert. Dann gibt es die Nahwirkung, bei der die dreidimensionale Ausformung der Metallfassade zum Tragen kommt. Je nach Tageszeit, Bewölkung oder Sonnenstand ergibt sich eine andere Anmutung. Das heißt, die Fassade strahlt eine gewisse Lebendigkeit aus, die auch sinnbildlich für eine vitale Hochschule stehen kann.

  • Das „Team Studierendenhaus“ der h_da (von links nach rechts): Ruth-Maria Hüttl (Mitarbeiterin Hochbau), Susanne Weidmann (Projektleiterin h_da-Studierendenhaus), Uwe Wiegmann (kümmert sich um Umzug und Schließanlage), Monika Weiland (bearbeitet den Bereich Möblierung), Achim Reichard (Experte für Elektro) und Ulrich Lohschelder (Sachgebietsleiter Neubau). Alle Bilder: h_da / Samira Schulz

  • Spiegellabyrinth: Die spiegelnden Glasflächen im Innenhof sind ein architektonisches Schmuckstück.

  • Lichtdurchflutete Räume: In der 3. Etage entsteht ein Seminarraum für elektronische Klausuren mit 100 Arbeitsplätzen.

  • Bilder einer Baustelle: Die beiden h_da-Architekten Ulrich Lohschelder und Susanne Weidmann nehmen Fliesenarbeiten und den Treppenaufgang vom Eingangsfoyer unter die Lup

  • Frühlingsblick auf den Neubau: Von außen sieht das Studierendenhaus schon aus wie aus dem Ei gepellt.

Wie aufwändig ist die Fassadengestaltung bei so einem Bauprojekt?

Lohschelder: Die Fassade ist ein zentraler Gesichtspunkt. Eine gute Fassade alleine wäre allerdings deutlich zu wenig. Die Qualität eines Gebäudes zeigt sich meiner Meinung nach in erster Linie bei der Benutzung: Fühlen sich die Menschen, die hier arbeiten oder studieren, wohl; sind die Abläufe und räumlichen Zusammenhänge so, dass ein reibungsloser Betrieb möglich ist? Im besten Fall inspiriert und stimuliert das neue Gebäude die Nutzerinnen und Nutzer zu kreativen Prozessen. Und es ist schön zu erleben, wenn das „eigene“ Gebäude über die Fassade auch von der Öffentlichkeit als interessantes Gebäude erlebt wird.

Wie war es für Sie, das Gebäude zum ersten Mal ohne Gerüst zu sehen?

Lohschelder: Es ist immer wieder ein spannender Moment, ein Gebäude ohne Gerüst zu sehen. Erst jetzt zeigt sich, ob das, was die Architekten sich in Abstimmung mit uns als Bauherrin für das Gebäude vorgestellt haben, tatsächlich wirkt. Auch wenn vieles heutzutage durch digitale Visualisierungen vorab geprüft werden kann – das Gebäude im Zusammenspiel mit den Elementen zu sehen, ist nochmal eine andere Dimension und eines der Highlights im Bauprozess.

Bevor das Gerüst abgebaut werden kann, muss die Fassade abgenommen, also genau auf Mängel untersucht werden. Wie geht das vonstatten?

Lohschelder: Die Bauleitung und die ausführende Firma begutachten Geschoss für Geschoss die gesamte Fassadenfläche. Sie prüfen, ob Fehler oder Beschädigungen vorhanden sind, die beseitigt werden müssen. Da es sich beim Studierendenhaus um eine recht komplexe Fassadenstruktur handelt, wurden schon vor Baubeginn die Kantung, Fügung oder die Befestigungsart anhand einer Musterfassadenfläche abgestimmt. Diese Punkte müssen dann bei der Abnahmebegehung nicht mehr abgestimmt oder korrigiert werden, wenn die ausführende Firma ordentlich gearbeitet hat. Bei einem Gebäude dieser Größe dauert eine Fassadenabnahme mehrere Stunden, die man zum größten Teil auf dem Gerüst verbringt.

Auch bei Regen, Sturm oder Schnee?

Lohschelder: Das Wetter spielt keine Rolle. Die Monteure können sich ja auch nicht aussuchen, bei welchem Wetter sie die Fassade befestigen. Und sie müssen das tage-  oder wochenlang machen, nicht nur ein paar Stunden wie bei der Abnahme.

Von außen sieht das Gebäude schon toll aus – was sind die nächsten Schritte auf der Baustelle?

Lohschelder: Zurzeit werden unter anderem die letzten Decken montiert und der Bodenbelag verlegt, gegen Ende kommen noch die Schreinerarbeiten für die Einbaumöbel und Ähnliches. Ein besonders wichtiger Vorgang ist die Inbetriebnahme der kompletten Gebäudetechnik, die heutzutage zu einem wirklich funktionierenden Gebäude ganz wesentlich dazugehört – dazu zählen Lüftung, Kälte, Heizung oder die Elektroinstallationen. Parallel werden die Außenanlagen bearbeitet, sodass zum Einzug dann auch die Wege und Freiflächen fertig sind.

Ein Blick hinter die Kulissen: Läuft auf einer so großen Baustelle immer alles rund?

Lohschelder: Bei komplexen Baumaßnahmen dieser Größenordnung läuft eigentlich nie alles rund. Dafür gibt es zu viele Beteiligte und der Zeitplan ist normalerweise eher sportlich als entspannt. Die Frage ist eher, wie man die entstehenden Probleme so managen kann, dass die Auswirkungen auf möglichst gering sind. Dabei kommt es neben einer guten Planung vor allem auf die einzelnen Akteure und ihr Zusammenspiel an. Ist die Bauleitung vor Ort erfahren genug und bekommt die nötige personelle Unterstützung oder Zuarbeit aus dem Planungsbüro? Sind die beteiligten Firmen gut aufgestellt und liefern die erwartete Qualität im vereinbarten Zeitraum oder haben sie vielleicht zu viele Aufträge gleichzeitig angenommen und können unsere Baustelle nicht adäquat bedienen? Das sind nur einige Themen, die den Bauablauf beeinflussen können. Unsere Rolle als Bauherrin ist dabei, gemeinsam mit der externen Projektsteuerung darauf zu achten, dass Probleme möglichst frühzeitig erkannt und beseitigt werden.

Trotz Corona ist auf der Baustelle alles weitgehend im Zeitplan – ist das Glück oder geniale Planung?

Lohschelder: Wir liegen zurzeit ein wenig hinter dem Zeitplan. Das hängt zum einen an Corona und zum anderen an der Kältewelle im Februar. Da wir aber für „Unvorhergesehenes“ einen kleinen zeitlichen Puffer eingebaut haben, wird das für den Einzugstermin nicht relevant sein. Von „genialer“ Planung würde ich nicht sprechen, eher von Erfahrungswerten, die man im Laufe der Jahre mit dem Bauen gesammelt hat. Aber Glück braucht es natürlich auch. Wenn beispielsweise bei mehreren unserer Firmen gleichzeitig ein Corona-Ausbruch stattgefunden hätte, wäre der Zeitplan mit Sicherheit gravierender durcheinandergeraten.

Hat es durch Corona also keinerlei Beeinträchtigungen auf der Baustelle gegeben?

Lohschelder: So wie wir es zu Beginn der Pandemie befürchtet hatten, ist es glücklicherweise nicht gekommen. Wir sind im Gegenteil eher überrascht, dass insgesamt alles so reibungslos ablief. Neben den gesundheitlichen Aspekten hatten wir vor allem im Materialbereich mit Engpässen gerechnet, weil ein so großes Haus ja auch eine Menge unterschiedlichster Materialien und Komponenten benötigt, die zudem noch aus den verschiedensten Ecken der Welt geliefert werden. Dass es hier keine Probleme gab, hat uns wirklich erstaunt.

Wann können die ersten Abteilungen einziehen?

Lohschelder: Wir stimmen derzeit letzte Details mit den einzelnen Abteilungen ab. Die ersten Umzüge finden dann im Juli dieses Jahres statt.

Ab wann können die Studierenden „ihr“ Haus voraussichtlich nutzen?

Lohschelder: Wir gehen von August aus, dann ist der Großteil der Umzüge ins Studierendenhaus abgeschlossen. Das wirklich „vollbesetzte“ Haus wird es ab dem Wintersemester geben, wenn Studium und Lehre hoffentlich wieder in Präsenz stattfinden können.

Wie geht es in den kommenden Jahren weiter mit der Campusentwicklung?

Lohschelder: Das Ergebnis der Planungswerkstatt 2019 lautet: Es soll eine Verdichtung im zentralen Bereich des Hochschulcampus an der Schöfferstraße stattfinden. Hier werden also auch die nächsten „Bausteine“ zur weiteren Hochschulentwicklung entstehen - beginnend mit einem Wettbewerb für die Außenanlagen des Campus und einem Neubau in unmittelbarer Nachbarschaft des Studierendenhauses.

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