Die h_da im Kinoformat

Um die Hochschule Darmstadt dreht sich alles im neuesten Buch der Reihe "Edition Darmstadt" des Surface Verlages

14 Bücher hat der Surface Verlag in seiner Reihe "Edition Darmstadt" seit 2009 herausgegeben. Ende Januar 2017 ist eine Neuerscheinung dazugekommen: Eine 384 Seiten starke Foto- und Textreportage, die unerwartete Einblicke in das Innenleben der Hochschule Darmstadt gewährt. Das Buch ist ein Gemeinschaftsprojekt von Verlag und Alumni-Koordinierungsstelle der Hochschule.

Vielleicht ist es die Erinnerung an Kindertage: "Flipbook" - übersetzt Daumenkino - nennt Verleger Gerd Ohlhauser seine Bücher. Sie haben eine handliche Größe, die Buchdeckel sind weich und geschmeidig. Wie im Zeitraffer lassen sich die 384 Foto- und Textseiten abspulen. Die vorbeifliegenden Fotos werden so zu einem Film und die Hochschule zur bewegten Bilderstrecke, zur farbigen Erlebniswelt. Die h_da im Kinoformat, dieser Gedanke gefällt dem Verleger. Die cineastische und fotografische Dimension seiner Buchprojekte sind ihm wichtig. Die Flipbooks sollen Sogwirkung entwickeln. "Ich möchte ein filmisches Erlebnis bieten und gleichzeitig das Verweilen beim einzelnen Bild", sagt Ohlhauser. Das Einzelne im Ganzen sehen und umgekehrt, fast schon ein philosophischer Ansatz.

Die "Verlagsreihe "Edition Darmstadt" legt Wert auf das Unerwartete, das Überraschungsmoment. Wer die Bücher zur Hand nimmt, soll nichts lesen und sehen, mit dem er oder sie bereits gerechnet hat. Auch das vermeintlich Bekannte soll neu entdeckt werden können, unbekannte Blickwinkel und Motive bieten. Die Idee gefiel Christine Haller, der Alumni-Referentin der Hochschule Darmstadt. Sie war schon lange auf der Suche nach einem passenden Geschenk für Ehemalige der h_da. "Es sollte Erinnerungswert haben und eine Brücke zur Hochschule schlagen. Ein wertiges Geschenk, das nicht gleich wieder weggelegt wird", erklärt Haller.

Als sie von der "Edition Darmstadt" erfuhr, nahm sie gleich Kontakt zum Verlag auf. Ein Treffen zwischen ihr, Gerd Ohlhauser und dem Verlags-Fotografen Christoph Rau brachte das Projekt schließlich ins Rollen. Die Idee für das Buch über die Hochschule Darmstadt nahm Gestalt an. Haller: "Das Format und der ganz spezielle Blickwinkel der Bücher haben mich überzeugt." Die Hochschule mit ihren 16.000 Studierenden hält Verleger Ohlhauser für "einen wichtigen Teil der Kultur Darmstadts" - und das Flipbook soll nun ganz unerwartete Einblicke ins Innenleben der Hochschule bieten.

Monatelang durchstreifte der Fotograf Christoph Rau mit seiner Kamera jeden Winkel der h_da. "Bei jedem Motiv habe ich mindestens zehn Mal auf den Auslöser gedrückt", berichtet er. Fast 6.000 Fotos habe er Ohlhauser für den Bildschnitt geliefert. Eine Auswahl wird auf rund 250 Seiten im Buch erscheinen. Auch hier soll jeder Blick unerwartet sein. "Der Betrachter soll das Gefühl haben: Da war ich ja noch nie." Auch Christine Haller, die fast jeden Winkel kennt, muss oft zwei Mal hinschauen, um zu erkennen, wo das Foto nun aufgenommen wurde. "Ich lerne selbst die Hochschule neu kennen", sagt sie und lacht. "Der Blick von außen, den die meisten Insider nach langer Zeit nicht mehr haben, ist das Tolle daran", findet der Fotograf.

Christoph Rau fotografiert, ist aber auch als Location-Scout aktiv. Unter anderem hat er die Drehorte in Darmstadt für den Film "13 Semester" vermittelt. Seit Jahren schon arbeitet er mit dem Surface Verlag zusammen. Gerd Ohlhauser, der in Darmstadt auf der Mathildenhöhe Industriedesign studierte und lange als Marketingchef beim Unternehmen Resopal arbeitete, gründete den Verlag 2008. Er veröffentlicht Kunstbücher, das International Surface Yearbook, legt die Reihe "Edition Darmstadt" auf, seit 2015 ebenso die Edition Hessen. 2017 soll die Reihe "Flipbook International" dazukommen - Premiere wird das Buch "Elbphilharmonien" sein. In der Designszene gilt Ohlhauser als der "Oberflächenpapst" - dieses Interesse und dieser spezielle Blick auf die Dinge prägt seine Bücher.

Das gilt ebenso für die deutschen und ins Englische übersetzten Texte, die ohne Absätze oder Freiflächen gedruckt werden. Auch hier soll der Eindruck einer kompakten Oberfläche entstehen. Ungewöhnliche Blickwinkel sind das bestimmende Thema. Vorgestellt werden aus jedem Fachbereich ungewöhnliche Projekte, Menschen, Orte - wie etwa die Hochspannungshalle, Boote aus Beton, die trotzdem nicht untergehen, Solarprojekte für Afrika oder Alumni, die es bis in die Antarktis zieht. "Es sollen Schlaglichter sein, Momentaufnahmen, die trotzdem umfassend Informationen über die Hochschule Darmstadt geben", hebt Christine Haller hervor.

Für h_da-Präsident Prof. Ralph Stengler ist das Buch eine Bereicherung für die Hochschule. "Vieles, an dem wir täglich ganz selbstverständlich vorbeigehen, erscheint im Buch in einem ganz neuen Licht."

Gerd Ohlhauser betont, dass er immer nur Bücher verlegt, die ihm Spaß machen. Christine Haller wollte ursprünglich ein Geschenk für ihre Alumni: "Herausgekommen ist ein Buch, dessen Sprache und Bilder für die ganze Hochschule funktionieren."

Das Flipbook "h-da Hochschule Darmstadt" ist Ende Januar im Surface Verlag Frankfurt, ISBN 978-3-939855-46-0, 320 Seiten Foto- und Textreportage, 14,80 Euro, erschienen. Zu beziehen ist es im Buchhandel oder über den Webshop des Surface Verlags, www.surface-book.de.

 

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Autorin

Astrid Ludwig