Die Übersetzerin

Ka Schmitz hat auf der Mathildenhöhe Kommunikationsdesign studiert. Heute arbeitet sie als Dozentin, Kinderbuch-Illustratorin und Graphic Recorderin – was das ist? Die h_da-Alumna übersetzt Konferenzen, Tagungen oder Workshops simultan in Comic-Sprache. 

Schon während ihres Studiums machte sie sich in Vorlesungen oder Seminaren nicht etwa in Schriftform Notizen, sondern zeichnete sie. „Illustrationen habe ich geliebt. Schon als Kind wollte ich immer zeichnen und habe Comics gemalt“, erzählt sie und lacht. Ende der 1990er Jahre, als Ka Schmitz an der Hochschule Darmstadt studierte, hatte zwar noch niemand etwas von „Graphic Recording“ gehört, doch heute gehört diese Art der Visualisierung zu ihrem beruflichen Alltag. Ein Trend, der in den USA populär wurde. Große Firmen im Silicon Valley wie Google oder Apple beschäftigen Graphic Recorder und auch das Abgeordnetenhaus in Berlin setzt bei seinen aktuellen Fragestunden auf gezeichnete Protokolle. Auch in den Hochschulen wird Graphic Recording immer häufiger verwendet.

Liebe auf den zweiten Blick

Ka Schmitz hat ihr Diplom in Kommunikationsdesign an der Hochschule Darmstadt gemacht. „Eigentlich wollte ich Malerei studieren, bin dann aber im Design gelandet“, sagt die 46-Jährige. Das Studium an der Fachhochschule, wie die h_da damals noch hieß, war am Anfang nur als Zwischenstopp gedacht. Ka Schmitz wollte ursprünglich an der Kunsthochschule in Halle studieren, fand dort jedoch nicht sofort einen Platz. Sie bewarb sich am Standort Mathildenhöhe, schaffte die Aufnahmeprüfung auf Anhieb und wählte Typographie zu ihrem Studienschwerpunkt. Nach einem Jahr gefiel ihr das Studium in Darmstadt so gut, dass sie blieb. „Hier habe ich gelernt, genau hinzuschauen, Entwürfe zu machen, Dinge zu hinterfragen. Es hat meinen Blick geschult für Kontraste, Licht, Bildaufbau und Harmonie“, sagt sie.

Sie unterrichtet gern

Nach ihrem Abschluss an der h_da ging sie für ein Aufbau-Studium nach Berlin an die Universität der Künste. „Art in context“ hieß der Studiengang, bei dem vor allem die Kunstvermittlung im Mittelpunkt stand. „Ich unterrichte gerne“, sagt sie. Ein Ziel, das sie verwirklicht hat. Lehraufträge sollten sie in diesem Sommersemester unter anderem an die TU Darmstadt führen und im Wintersemester nach Österreich, an das Mozarteum in Salzburg und an die Universität in Wien. Ihr Unterrichtsthema: Diversität im Bild. Sie hofft, dass das Coronavirus diese Pläne nicht über den Haufen wirft. 

Als Dozentin, Kinderbuch-Illustratorin und Graphic Recorderin hat sich Ka Schmitz selbstständig gemacht. Zunächst arbeitete sie viele Jahre in Berlin, bevor sie vor fünf Jahren an ihren alten Studienort zurückkehrte. Heute hat sie ein kleines Studio in Darmstadt und veröffentlicht Bücher im Selbstverlag unter dem Namen „Atelier Neudreiviertel“ (https://atelier-neundreiviertel.de). 

Mit ihren Zeichnungen und Comics will sie anderen Mut machen. Ihr erstes Buch erschien im Kölner Verlag „Mebes und Noack“ und hieß „Julie und Marie“. Es handelte von einem afrodeutschen Mädchen, von Angst, Mut, Freundschaft und auch von Selbstbewusstsein. Gewidmet war es ihrer damals noch kleinen Cousine, für die Ka Schmitz das Buch kurzerhand selbst entwarf, weil es auf dem Markt nichts Entsprechendes gab. Fast alle ihre Bücher beschäftigen sich mit dem Thema Gewalt, mit Diskriminierung, Außenseitertum und was man dagegen tun kann. Meist geht es um Vielfalt, Regenbogenfamilien, Diversität und um Protagonisten jenseits des Mainstreams. „Inklusive Bilder sind mein Schwerpunkt“, sagt die Mutter zweier Kinder. Bei ihren Buchproduktionen arbeitet die h_da-Alumna stets mit Fachfrauen zusammen – wie etwa Brigitte Braun von „Wildwasser“ - die die Texte schreiben, während Schmitz die Illustrationen liefert. 

Simultandolmetschen in Comic-Sprache

Hauptstandbein jedoch ist ihre Tätigkeit als Graphic Recorderin. Ka Schmitz arbeitet für Hochschulen und Universitäten bundesweit, wird von sozialen Trägern, Nichtregierungsorganisationen, Gleichstellungsbüros und Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International beauftragt. An der Ruhr Universität Bochum hat sie Tagungen zum Thema „Familie an der Hochschule“ protokoliert, in Göttingen Einführungsveranstaltungen für Erstsemester begleitet. Die TU Darmstadt engagierte Schmitz für Veranstaltungen in der Lehrerausbildung und die Arbeit mit geflüchteten Studierenden. „Graphic Recording ist wie Simultandolmetschen – nur dass ich nicht in Spanisch oder Italienisch übersetzte, sondern in die Comic-Sprache“, sagt die 46-Jährige. Sie visualisiert in Echtzeit, was bei Konferenzen, Tagungen oder Seminaren gesprochen wird. „Ich habe mir über viele Jahre ein zeichnerisches Vokabular erarbeitet“, erklärt sie. Schon im Vorfeld entwickelt sie Bilder zu den Themen der Veranstaltungen, für die sie engagiert wird. Als Illustratorin muss man schnell sein. 

Ein gezeichnetes Protokoll kommt bei den meisten gut an. „Der Unterhaltungswert ist hoch, es wird auch mal gelacht.“ Zeichnungen erleichtern das Verständnis, sind auf einen Blick zu erfassen, der optische Zugang ist emotionaler, findet sie. „Viele Menschen lernen visuell auch schneller“, ist Schmitz überzeugt. Ein Comic-Protokoll verstehen daher auch diejenigen, die vielleicht Lernschwierigkeiten haben oder die Sprache noch nicht ausreichend verstehen. Auch in Zeiten wie der der Corona-Krise ist Graphic Recording möglich. In virtuelle Konferenzen mit Skype oder Zoom - wie unlängst bei einem Auftrag für Amnesty – kann sie sich mit ihrem digitalen Zeichen-Bildschirm zuschalten und live ihre Bilder mit den Konferenz-Teilnehmern/innen teilen. „Das macht Tagungen auch weniger anstrengend“, so ihre Erfahrung. www.ka-schmitz.de

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Autorin

Astrid Ludwig
April 2020