Roboterarm-Studie zur Konditionierung der Maschine auf menschliche Bewegungsabfolgen mit dem Ziel einer intuitiven Bedienung. Foto: Ursula Raapke.

Roboterarm-Studie zur Konditionierung der Maschine auf menschliche Bewegungsabfolgen mit dem Ziel einer intuitiven Bedienung. Foto: Ursula Raapke.

Industriedesign: Hochschule Darmstadt startet Human Factors Lab

Funktionieren Produkte oder Alltags- und Arbeitsumgebungen auch wirklich für die Menschen, die sie nutzen? Das neue Human Factors Lab am Fachbereich Gestaltung der Hochschule Darmstadt (h_da) erforscht schon im Entwicklungsstadium, ob sie ausreichend benutzerfreundlich und ergonomisch sind. Industriedesign-Studierende sollen im Lab künftig gemeinsam mit Industriepartnern die menschliche Anwendung neuartiger Technologien erproben, um den Designprozess zu verbessern.

Von Simon Colin, Redakteur Hochschulkommunikation

Neue Produkte oder Anwendungen scheitern, wenn die Menschen sie nicht akzeptieren. Gerade bei digitalen und technischen Produkten liegt es oft daran, dass sie nicht intuitiv genug oder schlecht zu bedienen sind. Im neuen Human Factors Lab analysieren Prof. Philipp Thesen und Prof. Tino Melzer mit ihrem Team bereits vor dem Prototyp-Stadium, wie sich menschliche Faktoren auf die Nutzung auswirken, insbesondere physiologische und kognitive Fähigkeiten. Diese Designanalyse im Produktentwicklungsprozess, die eine verbesserte Nutzbarkeit (Usability) zum Ziel hat, kann dazu beitragen, teure Fehlentwicklungen zu vermeiden.

Im Human Factors Lab stehen hierfür zahlreiche Test- und Simulationsgeräte zur Verfügung. Mit virtuellen und datengestützten Ergonomie- und Bewegungsanalysen werden menschliche Haltungs- und Bewegungsdaten ermittelt, die Anhaltspunkte liefern für die ergonomische Optimierung von Produkten, aber auch von Arbeitsplätzen in der Industrie, im Handwerk, im Gesundheits- und Pflegewesen oder in öffentlichen Einrichtungen. Eingesetzt werden neben Virtual-Reality-Werkzeugen unter anderem auch Motion Tracking-Anzüge, die mit Sensoren ausgestattet sind und Bewegungsabläufe erfassen.

„Die positive Wirkung von gezielt gestalteten Arbeits- und Lebensräumen von morgen entsteht mit der Akzeptanz der Menschen, die sie nutzen“, sagt Tino Melzer, Professor für Entwurf und Ergonomie. „Ein wesentliches Anliegen der Human Factors ist die ergonomische Arbeitsplatzgestaltung. Sie trägt dazu bei, die physische und psychische Arbeitsbelastung zu mindern und steigert die Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten.“ Im Human Factors Lab ließe sich zum Beispiel die Platzierung von Piloten in Cockpits oder die Positionierung von Bedienelementen in virtuellen Umgebungen simulieren und erforschen, so dass die Erkenntnisse im Designprozess berücksichtigt werden können.

„Die Aufgabe von Designerinnen und Designern im digitalen Zeitalter ist die Humanisierung von Technologien“, sagt Philipp Thesen, Professor für Human-System-Interaction. „Dabei hat die menschengerechte Ausgestaltung der Schnittstelle Mensch/Maschine einen hohen Stellenwert. Die Analysen von Human Factors helfen dabei, den Menschen in den Mittelpunkt der Entwicklung technischer Produkte zu stellen, um die intuitive und effiziente Bedienung von Produkten, Anlagen und Arbeitsplätzen zu gewährleisten.“

Unternehmen aus Industrie und Mittelstand können das Human Factors Lab der h_da künftig für gemeinsame Forschungsprojekte nutzen, um bei der Entwicklung von Produkten oder Anwendungen das gewonnene Wissen über „menschliche Faktoren“ einzubeziehen. „Damit bietet die Hochschule Darmstadt ein anwendungsorientiertes Forschungslabor, das in der deutschen Hochschullandschaft derzeit ziemlich einmalig ist“, sagt Prof. Dr. Nicole Saenger, Vizepräsidentin für Forschung und Nachhaltigkeit. „Von den Projekten profitieren auch unsere Studierenden, die lernen, wie wichtig der frühe Einbezug von Design für die Entwicklung von Produkten sowie Alltags- und Arbeitsumgebungen ist.“