Virtuelles Richtfest

Virtuelles Korkenknallen

Ein lauer Sommerabend. Im Biergarten vor dem Studierendenhaus sitzen junge Leute, Profs und Beschäftigte in Gruppen zusammen. Gäste aus der Nachbarschaft flanieren vorbei oder lassen sich im Schatten unter den Bäumen nieder. Drinnen im Loungebereich diskutieren Lerngruppen ihre Projekte und hungrige Spätarbeiter decken sich in der Mensaria mit Snacks ein, bevor sie im Lernzentrum, oben in der fünften Etage für die nächste Klausur büffeln...

Soweit der Blick in eine nicht allzu ferne Zukunft: Bäume und Biergarten sind derzeit noch eine Frage der Vorstellungskraft. Doch das Studierendenhaus der Hochschule Darmstadt hat unübersehbar Gestalt angenommen und könnte sich nach der Eröffnung 2021 zum Pulsgeber des Quartiers rund um die Schöfferstraße entwickeln.

In großen Schritten geht es auf der Baustelle voran, seit Baubeginn im März 2019 lief alles weitgehend nach Plan. Jetzt ist der Rohbau fertiggestellt. In diesen Tagen hätte die Hochschule also Richtfest gefeiert für ihr derzeit wichtigstes und größtes Bauprojekt. Hätte. Eigentlich. Doch die Corona-Pandemie fordert auch hier ihren Tribut. Nie war es auf dem Campus so still, nie waren hier so wenige Menschen unterwegs wie zurzeit. Vorlesungen, Workshops und Seminare finden digital statt. Und was für die Lehre gilt, gilt auch für die Feste: Die Hochschule sucht und findet Alternativen. Das Richtfest findet also digital statt, auf dieser Website, wir stoßen virtuell an. Wissenschaftsministerin Angela Dorn und Hochschulpräsident Ralph Stengler sind per Videobotschaft dabei – und natürlich verzichten wir auch nicht auf das, was das Richtfest erst zum Richtfest macht: Der Richtspruch hat bereits stattgefunden, ganz real, oben auf dem Dach des Rohbaus – und wurde in Filmform festgehalten.

Das Bauprojekt Studierendenhaus hat also – trotz Corona – einen wichtigen Meilenstein erreicht. „Erfreulicherweise geht es trotz der widrigen Umstände wie geplant voran“, sagt Barbara Henrich, Leiterin der Abteilung Bau und Liegenschaften. „Aber natürlich muss an der einen oder anderen Stelle zum Schutz der Beteiligten improvisiert werden. So finden beispielsweise die wöchentlichen Bausitzungen nicht mehr im Besprechungscontainer auf der Baustelle statt, sondern unter freiem Himmel, als Gesprächskreis im Stehen. Wenn es bei solchen vergleichsweise kleinen Einschränkungen bleibt, können wir sehr zufrieden sein.“

Wie das Studierendenhaus einmal aussehen wird, kann schon heute besichtigt werden. Eine Gruppe von Architektur-Studierenden der h_da um ihren Lehrbeauftragten Dill Khan ermöglicht uns einen Blick in die Zukunft. Ein Semester lang haben die jungen Leute unter Anleitung ihres Dozenten mit Hilfe der Building Information Technology (BIM) das Studierendenhaus modelliert, ihm Leben eingehaucht und einen „Sneak Preview“ für das neue Gebäude vorbereitet. Der Film aus dem Fachbereich Architektur war für die vielen Gäste gedacht, die eigentlich am 15. Mai 2020 im Rohbau zum Feiern zusammengekommen wären. Aber auch auf dem Computer- oder Smartphone-Bildschirm bleibt die Wirkung nicht aus. Hut ab! Und: Film ab!

Als zentrale Anlaufstelle für die Studierenden konzipiert, soll sich im neuen Studierendenhaus der Hochschule Darmstadt künftig alles um die Anliegen der Studierenden drehen. Service- und Beratungsangebote – alles wird im neuen Studierendenhaus unter einem Dach gebündelt: Das Student Service Center und das Prüfungsamt ziehen in das neue Gebäude ein, ebenso das Hochschulzentrum für Studienerfolg und Berufsstart (HSB), das International Office, Teile des AStA und das Familienbüro. Hinzu kommen Seminarräume, ein Lernzentrum und die Mensaria im Erdgeschoss. Als „kleine Schwester“ der großen und seit langem überlasteten Mensa Schöfferstraße wird die Mensaria vielen die Gelegenheit bieten, den gefürchteten Mittagspausen-Stau zu meiden und neue, höherwertige Menu-Alternativen zu probieren: In der vom Studierendenwerk Darmstadt betriebenen Mensaria werden die Speisen mittags an Koch-Stationen frisch zubereitet. Außerdem gibt es auch außerhalb der Stoßzeiten Snacks und Getränke. „Wir benötigen diesen Neubau dringend und ich möchte allen danken, die dieses Projekt in einer solch schwierigen Zeit zum Erfolg führen“, sagt Kanzler Norbert Reichert. „Wir möchten unseren Studierenden – derzeit sind es rund 17.000 – in Zeiten der Zunahme virtueller und digitalisierter Lehrangebote auch einen realen Raum für die Dimension der sozialen Zusammenarbeit bieten. Bildung für das Leben und die Gesellschaft. Deshalb hoffen wir, dass das neue Gebäude auch eine große Strahlkraft über unseren Campus hinaus für Gäste aus der ganzen Stadt haben wird.“  

Bei rund 33 Millionen Euro liegen die Gesamtkosten für den fünfgeschossigen Neubau, finanziert werden sie aus Mitteln des Hochschulpakts 2020. Ein Novum: Erstmals hat die h_da bei einem Bauprojekt dieser Größe die Bauherrschaft selbst inne. Und auch in puncto Partizipation und Kommunikation ist das Studierendenhaus ein Leuchtturmprojekt: Diejenigen, die im nächsten Jahr ins neue Gebäude einziehen werden, waren schon früh in die Planungen eingebunden, wurden zur ihren Anforderungen und Wünschen befragt und konnten mitentscheiden. In regelmäßigen Treffen mit den Kolleginnen und Kollegen der Abteilung Bau und Liegenschaften wurde konstruktiv und kreativ diskutiert. Oft waren die Architekten des Stuttgarter Büros Glück & Partner dabei, um alle Beteiligten auf den aktuellen Stand zu bringen. Auf unserer Website zum Studierendenhaus haben wir über diese Treffen berichtet, den Baufortschritt dokumentiert und alle wichtigen News zur Baustelle abgebildet. Dort sehen Sie – auch wenn Sie nun coronabedingt vielleicht längere Zeit nicht mehr auf dem Campus waren – wie das Gebäude inzwischen aussieht. Grund genug zu feiern und zumindest virtuell die Korken knallen zu lassen.

Text: Christina Janssen

Campusentwicklung

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