„Unser Traum ist eine Mixed-Reality-Kletterhalle“

„Verständnis für die tatsächlichen Probleme schafft Vertrauen"

YUBIZZ: „Who Are YU!?“ Bitte stellt euch kurz vor. Woher kennt ihr euch?
Nick Petrovic: Wir sind Luca, Tobias und Nick. Tobias und ich haben uns schon vor Jahren im Bachelor-Studium kennengelernt. Wir haben beide unser Studium dual bei der Firma Wago in Minden gemacht, was dann später das Sprungbrett für unsere Start-up-Idee sein sollte. Während ich nach meinem Bachelor nach Darmstadt gegangen bin, um RASUM zu studieren, hat es Tobias für seinen Master nach Lissabon gezogen. Danach – oder mehr oder weniger währenddessen – sind wir gemeinsam mit collatio gestartet.

Und Luca...?
Luca kam ein paar Monate später ins Team. Wir haben uns über die Founders Foundation in Bielefeld kennengelernt. Luca studiert Informatik mit Fokus auf AI und hat während seines Studiums sowohl an seinem eigenen als auch in mehreren anderen Bielefelder Start-ups gearbeitet. Wir wussten eigentlich von Anfang an, dass wir im Team ein gutes Match sind. Durch seine Informatik-Skills und das Wissen darüber, wie man industrietauglichen Code schreibt, ergänzt uns Luca fachlich sehr gut. Tobias und ich sind seit dem Bachelor sehr gut befreundet – was nicht ganz ungefährlich ist, wenn man dann zusammen in einem Start-up loslegt – und Luca hat nach einem Monat Probearbeiten mit uns entschieden, dass er es auch auf der persönlichen Ebene ganz gut mit uns aushalten kann.

Okay, jetzt haben wir ein gutes Bild von euch als Team. Was ist eure Idee – und welches Problem löst sie?
Unsere Idee besteht darin, industrielle Komponenten durch die Berechnung von Ähnlichkeits-Scores – sprich: die Identifikation technisch austauschbarer Komponenten – besser vergleichbar zu machen. Wir sind während unserer Arbeit in der Elektroindustrie darüber gestolpert, dass Produktmanager und Einkäufer heutzutage viel Zeit damit verbringen, Produktdatenblätter und Hersteller-Websites zu studieren, um manuell Komponenten miteinander zu vergleichen. Gleichzeitig ist der Markt heutzutage so komplex, dass man nie weiß, ob die Daten vollständig und aktuell sind. Unsere Lösung muss also zum einen alle frei verfügbaren produktbezogenen Daten effizient und in Echtzeit verarbeiten und zum anderen die daraus gewonnenen Erkenntnisse zu brauchbaren Analysen verarbeiten. Während der Umsetzung ist uns klar geworden, dass das Identifizieren von technisch austauschbaren Komponenten als Bindeglied dieser beiden Anforderungen zwangsläufig der Kern und Knackpunkt unserer Lösung ist. So können wir für das Produktmanagement strategische Markt- und Wettbewerbs-Rechercheaufgaben abbilden und für den Einkauf technisch austauschbare Komponenten auf vorhandene Artikelnummern oder ganze Leistungsverzeichnisse vorschlagen und die dazugehörigen Preisvergleiche durchführen.

Da hat euch euer Duales Studium ja ein sehr spezifisches Thema beschert. Profitiert ihr von dieser Praxisnähe?
Ja, Tobias und ich haben unsere gesamte bisherige berufliche Laufbahn in der Industrie verbracht, die jetzt unsere Kundenbasis bildet. Tobias ist sogar während seiner beruflichen Tätigkeit auf das Problem aufmerksam geworden und hat seine Masterarbeit darüber geschrieben. Dieses Verständnis für die tatsächlichen Probleme und Abläufe des Kunden ist genau der Vorteil, der uns jetzt sowohl im Sales als auch in der Definition des Produkts Vertrauen verschafft und Zeit spart. Kombiniert man das mit Lucas Expertise im AI-Engineering, bilden wir als Gründungsteam den perfekten Fit aus komplementärem Team und Founder-Market-Fit.

Gab es bei euch den einen Moment, in dem ihr wusstet: „Okay, wir machen das jetzt wirklich“?
Ich glaube, obligatorischer Bestandteil der Arbeit in einem Start-up ist es, von Phase zu Phase zu stolpern und nur rückblickend sagen zu können, welche Meilensteine man eigentlich schon erreicht hat. Ganz am Anfang stand bei uns die Teilnahme am „Forward"-Programm der Católica in Lissabon. Das ist ein Ideation-Wettbewerb, um eine erste Start-up-Idee zu einem Problem-Solution-Fit zu verarbeiten und zu validieren. Tobias hat sich spontan entschieden, mit seiner Idee teilzunehmen, und ich war zufällig genau zum Start des Programms auch nach Lissabon gezogen. Unsere Abwägung war damals eher: Verbringen wir Zeit am Strand oder investieren wir Zeit in die Marktrecherche oder das Pitch Deck? Weder ihm noch mir war klar, dass wir jetzt ein Start-up gründen würden. Selbst nachdem wir das „Forward"-Programm gewonnen hatten, fühlte es sich nicht so an, als hätte man sich für das Start-up entschieden. Der Gedanke „Na, wenn wir jetzt schon gewonnen haben, dann müssen wir auch weitermachen" war eher eine Konsequenz aus der Angst, ansonsten eine einmalige Chance zu verpassen.

Wie ging es dann weiter?
Deutlich rationaler. Wir haben uns darauf geeinigt, nicht nach Gründen zu suchen, mit collatio weiterzumachen, sondern Meilensteine festzulegen, bei deren Nicht-Erreichung klar wäre, dass wir uns einen „vernünftigen Job" suchen müssen. Diese ernüchternde Erkenntnis ist zum Glück bis heute nie gekommen. (grinst) Deutlich einfacher geworden ist die Entscheidung dann durch die Bewilligung des exist Gründungsstipendiums. Das hat uns Anfang dieses Jahres die Sicherheit gegeben, zwölf Monate am Projekt weiterarbeiten zu können. Vor allem gibt es uns den finanziellen Spielraum, das unabhängig von einem weiteren Arbeitgeber zu tun – und so deutlich schneller vorankommen zu können. Vor zwei Wochen haben wir collatio dann als GmbH gegründet. Wahrscheinlich der Punkt, an dem einem – nach über einem Jahr Arbeit und einem erheblichen Teil der eigenen Ersparnisse, die jetzt in der GmbH-Einlage gebunden sind – endgültig klar wird: „Okay, wir machen das jetzt wirklich“.

Das ist ein handfester Grund! Na dann: Herzlichen Glückwunsch zur Gründung vom YUBIZZ Team! Und vielen Dank, Nick, für das interessante Interview. Wir drücken euch die Daumen!

    Studiengänge

    RASUM
    Informatik
    Business Analytics

    Förderung

    exist Gründungsstipendium
    (2026/2027)

    Interview

    Daniel Timme
    August 2026