„Im Studium habe ich konzeptionelles Denken gelernt“

Alumna und Designagentur-Chefin Stefanie Gmelin engagiert sich für ihren früheren Fachbereich Gestaltung.

Stefanie Gmelin hat ihr Diplom in Kommunikationsdesign an der Hochschule Darmstadt gemacht und leitet heute zusammen mit einer Kommilitonin aus Studienzeiten die Designagentur „Atelier Löwentor“. Darmstadt und ihrer Alma Mater ist die 51-Jährige stets verbunden geblieben – seit Jahren schon engagiert sie sich im Vorstand des Fördervereins ihres früheren Fachbereiches Gestaltung auf der Mathildenhöhe. Dort liegt der Alumna vor allem die Unterstützung von Studierenden am Herzen.

Manchmal geht Stefanie Gmelin mit ihren Kunden und Kundinnen in den Darmstädter Wald. Das Rauschen der Blätter im Wind, Vogelstimmen oder Sonnenstrahlen zwischen hohen Bäumen und die friedvolle Atmosphäre haben von jeher Dichter und Kunstschaffende inspiriert. Die Kommunikationsdesignerin sitzt dann mit ihren Auftraggeber:innen auf einer Lichtung, um den Ideen und Gedanken freien Lauf zu lassen und mit eigens entwickelten Methoden an der Markenidentität zu arbeiten. Ein Brainstorming der besonderen Art. Manchmal reicht aber auch schon der Blick vom Konferenzzimmer raus auf den kleinen idyllischen Garten des Atelier Löwentor, dessen Räume im historischen Brauereiturm unterhalb der Rosen- und der Mathildenhöhe liegen.

Bürogemeinschaft mit Studienfreundinnen

Nicht weit entfernt von ihrem früheren Studienort hat Stefanie Gmelin ihre beruflichen Zelte aufgeschlagen. „Wir waren Kommilitoninnen und haben anfangs zu dritt einen Atelier-Raum am Löwentor bezogen“, erzählt sie. Daher auch der Name ihrer Designagentur. Sie arbeiteten als selbstständige Bürogemeinschaft nach dem Studium. Ein Unternehmen zu gründen war zunächst nie das Ziel. Das kam erst, als die Aufträge zahlreicher und die Bürogemeinschaft immer größer wurde. „Wir sind da so hineingewachsen“, sagt Stefanie Gmelin. Heute arbeiten sieben Designerinnen in der Agentur, die reine Frauensache ist. Erst 2014 gründeten Gmelin und ihre frühere Kommilitonin Julia Reidel dann das Unternehmen, dessen Geschäftsführerinnen sie heute sind.

„Wir sind regional bekannt“, sagt die h_da-Alumna. Die Agentur arbeitet für öffentliche Auftraggeber wie den RMV-Verkehrsverbund oder die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) sowie für Mittelständler oder Ingenieurbüros. Die Themen Bildung, Energie, Ernährung oder auch Nachhaltigkeit sind Schwerpunkte ihrer Arbeit. Sie entwerfen Kommunikationsstrategien, Logos, Banner, Webseiten, kreieren Messestände oder gleich das komplette Corporate Design. Von klein bis ganz groß reicht die Bandbreite, sagt Stefanie Gmelin und immer geht es darum „Geschäftsbereich nach außen sichtbar zu machen“.

Mit einer Ausbildung begonnen

Stefanie Gmelin stammt aus der Nähe von Esslingen. Dort machte sie Ende der 1990er Jahre erst einmal eine Ausbildung zur Werbevorlagenherstellerin. „Heute würde man dazu Mediengestalterin sagen“, erklärt sie. Anschließend arbeitete sie zwei Jahre lang in einer Werbeagentur in der Nähe von Stuttgart und wie der Zufall so will, hatte ihr damaliger Chef Gestaltung an der Hochschule Darmstadt studiert. „Er war es, der mir zu einem Studium geraten hat“, erinnert sie sich. Sie erkundete daraufhin Studienmöglichkeiten in Konstanz, Wiesbaden und Offenbach, entschied sich dann aber für Darmstadt, weil ihr der Standort des Fachbereiches auf der Mathildenhöhe gut gefiel. Der Einstieg ins Studium selbst fiel ihr dann nicht schwer. „Ich hatte ja vorweg schon eine gute Grundausbildung durchlaufen, kannte die Technik und die Programme. In der Agentur hatte ich zudem viel Kontakt zu Kunden:innen. Ich wusste also, wie es läuft, wie ich alles umsetzen kann und konnte mich so auf die Entwürfe konzentrieren.“

Das Studium beschreibt sie als sehr praxisbezogen, aber viel freier als die Arbeit in der Agentur. Nicht an erster Stelle die Kreativität, sondern die Kommunikation, sagt Stefanie Gmelin, war immer ihr Schwerpunkt. Auch heute in ihrem eigenen Unternehmen ist sie die Beraterin und Strategin, die das Projektmanagement und die Kundenbetreuung übernimmt, Angebote schreibt und Aufträge betreut. „Das liegt mir“, sagt die Alumna, die auch Lehraufträge am Campus Dieburg der h_da innehatte. „Im Studium habe ich konzeptionelles Denken gelernt“, betont sie.

Ein Kreis schließt sich

Ihrer Alma Mater ist die Mutter zweier Söhne immer verbunden geblieben. Nicht nur durch die Semesterpraktikantinnen des Fachbereichs Gestaltung, die sie in ihrer Agentur aufnimmt. Seit 2021 engagieren sie und zunächst auch Julia Reidel sich im Förderverein des Fachbereichs. Ihre ehemalige Professorin Sandra Hoffmann hatte die beiden Designerinnen, gefragt, ob sie sich eine Mitarbeit im Vorstand vorstellen könnten. „Das war ein schöner Moment, und irgendwie hat sich da auch ein Kreis geschlossen, weil Julia und ich uns im Studium bei ihr kennengelernt hatten“, erzählt sie.

Heute, fünf Jahre später, ist Gmelin die Geschäftsführerin des Fördervereins und Thomas Kowallik, ebenfalls ein Alumnus des Fachbereiches, im Vorstand. Zweiter Vorsitzender ist der Student Paul Abendschein. Studierende hat der Förderverein jetzt neben der Alumni-Arbeit vermehrt in den Blick genommen. Unterstützt werden Exkursionen, Ausstellungen, Filme oder Vorträge. „Wir vergeben auch Mikroförderungen an die Studierenden für Publikationen oder Projektpräsentationen“, berichtet Stefanie Gmelin. Das Budget reicht für zehn solcher ganz unbürokratisch und kurzfristig zu vergebenden Förderungen im Semester.

Sponsorengelder für Design-Preis gesucht

Einen Namen hatte sich der Förderverein auch mit der Vergabe der Design-Preise zum Semesterende an Diplomanden:innen der Studiengänge Industrie- und Kommunikationsdesign gemacht. Fünf Jahre hatte das Unternehmen Merck das Preisgeld von jeweils tausend Euro gesponsert, doch der Pharmakonzern fördert nicht dauerhaft und nun müssen sich Stefanie Gmelin und ihre Vorstandskollegen nach neuen Geldquellen umtun. In den derzeit schwierigen Zeiten waren ihre Bemühungen bisher noch nicht erfolgreich, „aber wir würden die Preise für die Studierenden gerne aufrechterhalten“. Mit einer Förderung von rund 6000 Euro im Jahr wäre das möglich. Die Alumna will nicht aufgeben und weiter nach Sponsoren oder Geldgeberinnen suchen. Auf Werbung und Kommunikation versteht sich Stefanie Gmelin schließlich schon seit Studienzeiten.

Autor

Astrid Ludwig
Mai 2026