"Während meines Studiums ich habe gelernt, Probleme strukturiert anzugehen und Dinge einfach auszuprobieren"

h_da-Alumnus und Modolino-Gründer Mateo Brecic will Kinder für Naturwissenschaften begeistern.

Als Kind hat Mateo Brecic mit dem Chemiebaukasten experimentiert. Direkt nach seinem Bachelorabschluss als Wirtschaftsingenieur hat sich der h_da-Alumnus selbstständig gemacht. Mit einem Freund gründete er die Plattform Modolino, die kostenlose naturwissenschaftliche Experimente für Kinder und Eltern anbietet. Mit riesigem Erfolg: Bisher haben die Videos im Netz über 21 Millionen Aufrufe.

Ein Turm aus Eis, der innerhalb von Sekunden in die Höhe wächst? Das finden selbst Erwachsene cool. Für das Experiment braucht es nicht viel: Einen Teller mit Leitungswasser, das im Kühlfach zu einer flachen Eisfläche gefriert und eine Plastikflasche mit destilliertem Wasser, die in einer Schale mit Eiswürfeln und Salz eine Dreiviertelstunde heruntergekühlt. Wird der Inhalt dann auf die Eisfläche geschüttet, wächst er wie von Zauberhand Schicht um Schicht blitzschnell empor. Fertig ist der frostige Turm für die Schneekönigin und ganz nebenbei haben Kinder gelernt, was unterkühltes Wasser ist und wie Kristallisation funktioniert.

Eine Marktlücke entdeckt

Der magische Eis-Turm war das dritte Video, das Mateo Brecic und sein Freund Louis Rittersberger selbst konzipiert, gedreht und ins Internet gestellt haben. Der 26-Jährige Brecic hatte an der Hochschule Darmstadt gerade seinen Bachelorabschluss in Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Maschinenbau gemacht, Louis Rittersberger an der TU Darmstadt Physik studiert. Ihr Anliegen war es, Kinder mit leicht verständlichen und spannenden Videos für Naturwissenschaften zu begeistern. Was dann jedoch passierte, damit hatten sie nicht gerechnet: Innerhalb weniger Stunden und Tagen ging das kurze Filmchen über den Eisberg im Internet durch die Decke und wurde mehrere hunderttausend Mal aufgerufen. „Da haben wir gemerkt, dass das offenbar eine Marktlücke ist“, sagt Mateo Brecic.

Im Internet hatten die Freunde zuvor vergeblich nach wissenschaftlichen Accounts gesucht, die Experimente nur für Kinder zwischen drei und acht Jahren anbieten. „Es gab Videos auf Instagram“, erzählt er, aber die waren ihnen nicht professionell oder nicht kindgerecht genug. Daher legten sie selbst im Keller ihres Hauses los, überlegten sich Wow-Effekte aus der Chemie oder Physik, drehten und schnitten kurze Videos mit Erklärungen. In ersten Videos ließen sie eine Mülltüte schweben oder zeigten, dass eine Hand trocken bleibt, wenn sie in Wasser getaucht wird, das mit Zimt bestreut ist. Sie wollen vor allem Experimente zeigen, die jedes Kind, jeder Vater oder jede Mutter leicht und preiswert nachmachen kann und die mit Backpulver, Wasser, Gewürzen, Essig oder einfach Spülmittel funktionieren. „Wir haben als Kinder Experimentierkästen benutzt, aber es braucht gar keine teuren Werkzeuge, nur Haushaltsmaterialien und Kreativität“, betont Mateo Brecic.

Als Hobby-Projekt begonnen

Der h_da-Alumnus und sein Freund kennen sich seit Kindertagen. Sie haben in Dreieich die Schule besucht, zusammen im Physik-Leistungskurs gesessen und gingen danach beide zum Studium nach Darmstadt. Mateo Brecic wollte ein naturwissenschaftliches, technisches Fach studieren. Die h_da hatte einen guten Ruf und die Praxisnähe lag ihm. Nach dem erfolgreichen Bachelorabschluss war für den Alumnus klar, dass die Freunde einen gemeinsamen beruflichen Weg einschlagen würden. „Die Experimentiervideos waren am Anfang aber eher ein Hobby-Projekt. Wir waren von dem Zuspruch total überrascht“, sagt der h_da-Absolvent. Der unerwartete Erfolg überzeugte sie, sich mit dieser Idee auf den Markt zu wagen. Im Herbst 2025 gründeten sie die Plattform „Modolino“ und schon im ersten halben Jahr verzeichneten sie über 100 000 Follower und mittlerweile rund 21 Millionen Aufrufe. „Jeden Monat kommen zwei bis drei Millionen dazu“, sagt der 26-Jährige.

Selbst entwickelte Experimente

Über 80 Experimente aus dem MINT-Bereich finden Eltern und Kinder bei Modolino (www.modolino.com), mit Anleitungen und Hilfestellung, falls etwas nicht funktioniert. Damit es für die kleinen Forscher spannender wird, haben der Alumnus und sein Ko-Gründer 17 Tierfiguren erfunden. Da ist etwa Flux, der Fuchs, der die Kinder in die Welt der chemischen Reaktionen und Materialien entführt. Die Otter-Dame Mila ist dabei, wenn es um Wasser oder Flüssigkeiten geht, der kleine Kolibri zeigt Kindern alles, was mit Wind und Luft zu tun hat oder der Waschbär Lucki erklärt, was Zufall und Wahrscheinlichkeit bedeuten. „In dem Alter sind Kinder gute Forscher und haben viele Fragen“, sagt Brecic. Die Tierfiguren sollen die Naturwissenschaften anschaulicher für sie machen.

Die Experimente entwickelt das Duo selbst. „Louis ist der Physiker und Kopf hinter den Experimenten“, sagt Mateo Brecic. Er selbst nutzt seine Kenntnisse aus dem Studium als Wirtschaftsingenieur und fügt alles zu einem Gesamtkonzept zusammen, baut das Vertriebssystem auf, hat die Webseite gestaltet und knüpft Kontakte. Gemeinsam sammeln die Modolino-Macher Ideen, probieren alles vorher aus und optimieren die Versuche. „Wir wählen nur Experimente aus, die sicher, ungefährlich und frei von giftigen Stoffen sind“, betont der h_da-Alumnus. Und ganz wichtig: Die Experimente sollen einen Wow-Effekt haben.“ Damit wollen sie Kinder nicht nur für MINT-Themen begeistern, sondern auch vom Handy und Computer loszueisen. „Sie sollen etwas Eigenes tun und erleben“, findet Brecic. Er und sein Freund Louis hätten als Kinder den ganzen Tag draußen gespielt. Eine ähnliche kreative Wirkung erhoffen sie sich von ihren Modolino-Experimenten.

Neue Module und Experimentierkästen geplant

Ganz bewusst wollen sie keine Influencer sein, die mit Werbung in ihren Videos Geld verdienen. Mit dem Erfolg der Plattform kamen natürlich Angebote, die sie aber abgelehnt haben. „Wir wollen uns auf unserer Marke konzentrieren“, sagt Mateo Brecic. Die Filme sollen kostenlos bleiben, aber derzeit entwickeln sie Experimentierkästen, die Eltern und Nutzer für wenig Geld erstehen können. „Wir wollen etwas Cooles auf die Beine stellen, keine Standard-Experimente.“ Im November sollen die ersten Boxen auf den Markt kommen.

Sukzessiv soll es auf der Plattform auch neue Module geben für Experimente. Das blaue Modul, das schon existiert, steht für die Naturwissenschaften, hinzukommen sollen grüne Bereiche für Natur-Themen, rote für die Kreativität und gelbe für emotionale Aufgaben. „All diese Bereiche sind für eine starke Persönlichkeit von Kindern wichtig“, findet der Alumnus.

Nicht nur bei Kindern und Eltern kommt die Plattform gut an. Auch Schulen und Bibliotheken etwa in Frankfurt und Mannheim nutzen unterdessen das Bildungsangebot. Es gibt eine Kooperation mit dem MINT-Zentrum in Darmstadt und auch die Familien App Hessen stellt jeden Monat ein Modolino-Experiment online. Im Finale stehen die Gründer auch beim „Social Impact Award“, der junge Unternehmer und ihre innovativen Lösungen unterstützt, die helfen sollen, soziale und ökologische Herausforderungen zu bewältigen. Der endgültige Jury-Pitch findet Ende November statt.

Dass ihre Gründergeschichte so viral gehen würde, davon ist Mateo Brecic selbst noch immer „ziemlich überwältig“, gesteht er. Seine Studienzeit in Darmstadt hat die Idee befeuert. „Das Studium an der h_da war sehr praxisnah und hat mir die Grundlagen von Projektmanagement bis Betriebswirtschaft mitgegeben. Dort habe ich gelernt, Probleme strukturiert anzugehen und Dinge einfach auszuprobieren. Das hat mir den Mut gegeben, mich direkt nach dem Abschluss selbstständig zu machen“, sagt der Alumnus – der eigentlich schon wieder studiert. Mateo Brecic hat sich jetzt auch für den Masterstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen an der h_da eingeschrieben, selbst wenn ein Großteil seiner Zeit und Energie derzeit von Modolino und dem Aufbau von Geschäftsstrukturen absorbiert wird.

Autor

Astrid Ludwig
Oktober 2026