BNE in der Lehre
Wie können Studierende auf eine sich wandelnde Arbeits- und Lebenswelt vorbereitet werden?
Wir erleben tiefgreifende ökologische, technologische und gesellschaftliche Veränderungen. Vor diesem Hintergrund besteht der Bedarf, Studierende gezielt zu begleiten: Wie können sie globale Zusammenhänge verstehen? Wie können sie fundierte Entscheidungen treffen? Wie können sie Lösungen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung aktiv mitgestalten?
Mit dem Ansatz „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) lassen sich Kompetenzen für zukunftsfähiges Handeln didaktisch in die Lehre zu integrieren. Das entspricht auch dem gesetzlichen Auftrag aus § 15 Abs. 1 HessHG. Die h_da fördert dies durch praxisnahe sowie inter- und transdisziplinäre Lehr- und Lernformate, die Studierende zu verantwortungsbewussten Gestalter:innen des Wandels machen.
BNE - Was ist das?
Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) ist ein Bildungskonzept, das Menschen dazu befähigen soll, zukunftsfähig zu denken und zu handeln. Entscheidend ist, globale Zusammenhänge zu berücksichtigen und gleichzeitig lokal aktiv zu werden. Dabei sind die Auswirkungen auf die natürlichen Lebensgrundlagen und Mitmenschen stets zu berücksichtigen.
Dazu reicht es nicht aus, ausschließlich fachliches Wissen zu vermitteln. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung von Kompetenzen, die Studierende dazu befähigen, komplexe ökologische, technologische und soziale Zusammenhänge zu verstehen, kritisch zu reflektieren und vorausschauend zu handeln. Sie sollen befähigt werden, Unsicherheiten und Veränderungen aktiv zu begegnen, zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln und die gesellschaftliche Transformation verantwortungsvoll mitzugestalten.
Was sollen Studierende können?
Um Studierende gut auf die Zukunft vorbereiten zu können, gilt es zunächst zu klären:
Um welche Kompetenzen geht es konkret? Hier stehen unterschiedliche Kompetenzmodelle zur Verfügung (z.B. Future Skills, A Rounder Sense of Purpose, GreenComp, LifeComp). In unserer Arbeit beziehen wir uns v. a. auf das „Key Competencies in Sustainability Framework“ von Brundiers et al. (2021). Es umfasst folgende Kompetenzen:
Schlüsselkompetenzen
- Integrierte Problemlösekompetenz (Metakompetenz): Wie können die untenstehenden Schlüsselkompetenzen, Fähigkeiten und Wissen integriert dazu genutzt werden, Probleme im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zu lösen?
- Umsetzungskompetenz: Inwiefern kann ich die Lösung in der Praxis umsetzen?
- Normative Kompetenz: Wie lassen sich nachhaltigkeitsbezogene Werte, Prinzipien und Ziele (z. B. Gerechtigkeit, Effizienz und soziale Teilhabe) gemeinsam und in gegenseitiger Abwägung zugrunde legen?
- Strategisches Denken: Wie lassen sich kurz- und langfristige Maßnahmen und Strategien zur Problemlösung entwickeln?
- Zukunftskompetenz: Wie lassen sich verschiedene Zukünfte greifbar/vorstellbar machen?
- Systemisches Denken: Wie können komplexe Zusammenhänge, Wechselwirkungen und Zielkonflikte zwischen Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft auf lokaler, nationaler und globaler Ebene erkannt und verstanden werden, um zukunftsfähige Handlungsoptionen zu entwickeln?
Persönliche Kompetenzen
- Interpersonelle Kompetenz: Wie kann man unterschiedliche sowie relevante Personengruppen in die Problemlösung einbinden und motivieren? Wie kann man empathisch zusammenarbeiten?
- Intrapersonelle Kompetenz / "Mindset": Wie können eigene Emotionen und Werte bewusst wahrgenommen und reflektiert sowie die Fähigkeit zur Selbstregulierung gestärkt werden?
Grundlegende Kompetenzen
- Fachwissen: z.B. BWL, Umweltingenieurwesen, Soziale Arbeit, Informatik
- Akademische Grundkompetenzen: Wissenschaftliches Arbeiten, analytisches und kritisches Denken etc.
BNE-Helpdesk
Unterstützung für Nachhaltigkeit in der Lehre
Der BNE-Helpdesk unterstützt Lehrende und Studiengangsverantwortliche dabei, Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) systematisch in Lehre und Curricula zu integrieren – mit dem Ziel, BNE hochschulweit zu verankern.
Wir bieten Ihnen Beratung, strategische Begleitung sowie praxisnahe Materialien und Vernetzungsmöglichkeiten an.
Angebote im Überblick:
- Individuelle Lehrberatung auf Modulebene (z. B. zu Methoden, Inhalten und Prüfungsleistungen)
- Unterstützung bei der Integration von Nachhaltigkeit in Curricula
- Strategische Begleitung auf Fachbereichs- und Hochschulebene
- Vermittlung von BNE-spezifischen Fort- und Weiterbildungen
- Aufbau und Förderung von Netzwerken (intern und hochschulübergreifend)
- Materialien, Methoden und Good Practices
Schreiben Sie uns eine Mail kne@h-da.de oder füllen Sie dieses Formular aus. Wir beraten Sie gerne!
Zusätzlich bieten wir jeden Montag von 10:00 bis 11:00 Uhr unsere Sprechstunde im Green Office an. Wir freuen uns auf Sie!
Fachperspektiven zu Nachhaltigkeit
Einblicke und Anknüpfungspunkte aus der h_da
Beschäftigen Sie sich damit, welche Anknüpfungspunkte Kunststofftechnik, Architektur, Gesellschaftswissenschaften oder andere Disziplinen an der h_da zu Nachhaltiger Entwicklung haben?
Dieser Frage möchten wir nach dem Vorbild der Universität Bern mit Hilfe von Lehrenden nachgehen.
Wir laden Sie herzlich dazu ein, Ihren Kolleg*innen einen Einblick in Ihre eigene Arbeit zu geben und Anknüpfungspunkte zu Nachhaltiger Entwicklung sichtbar zu machen.
Fragestellungen im Überblick:
- Wo sehen Sie Schnittstellen zwischen Ihrer Disziplin und Nachhaltigkeit?
- Wie haben Sie Nachhaltigkeit bereits in Ihre Lehrpraxis integriert?
- Wie ist das Thema in Ihrem Studiengang/Fachbereich formell integriert?
- Welche Materialien und Ressourcen würden Sie Kolleg*innen empfehlen?
Füllen Sie diese Vorlage aus und schicken Sie uns diese per Mail an kne@h-da.de. Die Dokumente werden von uns lektoriert und anschließend hier veröffentlicht.
Wir beraten und unterstützen Sie gerne beim Ausfüllen.
Wir freuen uns auf Ihre Perspektive!
Methoden für die Lehre
Klimapuzzle
Warum versauern unsere Meere? Was ist der zusätzliche Treibhauseffekt? Und steigt der Meeresspiegel eigentlich, wenn das Polareis schmilzt? Diese und weitere spannende Fragen zu den Zusammenhängen des Klimawandels werden im interaktiven Klimapuzzle Workshop aufgeworfen und beantwortet.
Die Inhalte basieren auf dem aktuellsten Bericht des Weltklimarats (IPCC) und werden von den Teilnehmenden in Gruppen von sechs bis acht Personen mithilfe von Puzzlekarten gemeinschaftlich und spielerisch entdeckt. Resultat des dreistündigen Workshops ist eine komplexe und individuelle Darstellung der Ursache-Wirkungs-Beziehungen des Klimawandels in Form eines Legebildes.
Als Teil des HONEDA-Netzwerks (Hochschulen für Nachhaltige Entwicklung in Darmstadt) bietet das Kompetenzzentrum Nachhaltige Entwicklung allen Hochschulangehörigen die Durchführung dieser Workshops an. Das Format lässt sich besonders gut in Lehrveranstaltungen integrieren – beispielsweise gleich zu Beginn des Semesters um in das Thema einzuführen, Wissen aufzufrischen und gleichzeitig die Zusammenarbeit der Studierenden untereinander zu fördern. Angeleitet wird der Workshop von sogenannten Klimapuzzle-Moderator:innen, die die Studierenden während des Workshops begleiten, mit zusätzlichen Fragen aus der Reserve locken und so gewährleisten, dass die Zusammenhänge nicht nur richtig verstanden werden, sondern auch alle an der Gestaltung des Puzzles beteiligt werden. Im Anschluss an das Puzzle folgt eine Reflexionsrunde, in der Teilnehmende die Möglichkeit haben über das Gelernte und damit einhergehende Gefühle und Gedanken zu sprechen.
Weitere Informationen erhalten Sie hier.
Zukunftswerkstatt
Die Zukunftswerkstatt ist ein methodischer Ansatz, der Studierende einlädt zentrale Zukunftsfragen – etwa zum guten Leben, Bildung oder Städten der Zukunft – kreativ und aus ihrer eigenen Perspektive zu bearbeiten. Dabei werden alle Teilnehmenden als Expertinnen und Experten betrachtet. Ihr Wissen kann sich sowohl auf vorhandene Erfahrungen stützen als auch auf die eigene Vorstellungskraft und Kreativität. Dabei erfolgt die Arbeit in Gruppen und wird von einer Moderatorin oder einem Moderator (meist einer Lehrperson) begleitet.
Ziel der Methode ist es, gemeinsam Lösungen für zuvor festgelegte Probleme oder Herausforderungen zu entwickeln. Der Prozess gliedert sich in drei zentrale Phasen: Kritikphase, Fantasiephase und Verwirklichungsphase. Häufig werden diese durch eine vorbereitende Einstiegsphase sowie eine anschließende Erprobungsphase ergänzt. Die Methode fördert insbesondere Antizipationskompetenz, strategische Kompetenz, interpersonelle Kompetenz sowie normative Kompetenz.
Mehr dazu finden Sie hier.
World Café
Die Methode World Café schafft in einer offenen Gesprächsatmosphäre Raum für den interdisziplinären Austausch. Studierende setzen sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit komplexen Themen wie Konsum, Ernährung oder globaler Gerechtigkeit auseinander und entwickeln dabei ein vertieftes Verständnis für globale Zusammenhänge.
Durch den Austausch zu komplexen Themen und Fragestellungen erkennen die Studierenden die Unterschiede zwischen ihren Disziplinen und können ihre Kommunikationsfähigkeit ausbauen. Gleichzeitig werden sie angeregt, gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln.
Die World-Café-Methode stärkt dadurch insbesondere das systemische Denken, die interpersonelle Kompetenz, die normative Kompetenz sowie die strategische Kompetenz der Studierenden.
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Plan- und Rollenspiele
Plan- und Rollenspiele gewinnen als handlungsorientierte Methode, sowohl in der (hoch-)schulischen als auch in der universitären Bildung, für die Vermittlung komplexer Herausforderungen, vermehrt an Bedeutung. Dabei übernehmen Studierende innerhalb einer vorgegebenen Situation die Rollen verschiedener Akteur:innen und erlangen so einen Einblick in unterschiedliche Interessenslagen, -konflikte und Abläufe von Verhandlungssituationen. Dadurch können sie die Komplexität politischer Entscheidungsfindung und die Wechselwirkungen zwischen den unterschiedlichen Interessen(-gruppen) sowie die Konsequenzen ihrer Entscheidungen praxisnah nachvollziehen. Plan- und Rollenspiele können – je nach Komplexität – auch stundenweise durchgeführt werden. Da die Teilnehmenden miteinander agieren, Teams und Allianzen schmieden, kommunizieren und Kompromisse finden, die Fähigkeit zum Perspektivwechsel besitzen müssen und zum kritischen Denken angeregt werden, fördert die Methode insbesondere das systemische Denken, die interpersonelle Kompetenz, die strategische Kompetenz sowie die normative Kompetenz der Studierenden.
Beispiele für kostenfreie Planspiele mit Bezug zu Nachhaltiger Entwicklung sind:
- Sustain2030
- Torfitz. Das Planspiel zum Strukturwandel
- Planspiel - Bergbau im Nebelwald?
- Bürgerrat in Aktion: Ungleichheit im Blick
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Service Learning
Service-Learning (dt. Lernen durch Engagement) ist eine Lehr- und Lernmethode, die fachliches Lernen mit gesellschaftlichem Engagement verbindet. Studierende bringen dabei ihr Wissen in konkreten Projekten für das Gemeinwohl ein, beispielsweise in sozialen, ökologischen oder kulturellen Initiativen. Dadurch vertiefen sie ihr (Fach-)Wissen, lernen Selbstwirksamkeit und erleben unmittelbar die Relevanz ihres Handelns. Gleichermaßen werden dadurch gemeinwohlorientierte Projekte unterstützt und gegebenenfalls weiterentwickelt.
Die Methode fördert demnach insbesondere die strategische Kompetenz, die Umsetzungskompetenz, die interpersonale Kompetenz sowie die intrapersonelle Kompetenz der Studierenden.
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Good Practices 2025/2026
Kontakt
Sprechzeiten
Montags von 10:00 bis 11:00 Uhr im Green Office (EG, C10) und nach Vereinbarung.
Aktuelles
BNE-Netzwerkabend am 24.09.2026, ab 17:00 Uhr im Green Office
Der Wunsch nach kollegialem Austausch zu BNE und zukunftsfähiger Lehre ist an uns herangetragen worden – dem kommen wir sehr gerne nach.
Deshalb laden wir alle Interessierten herzlich zu unserem BNE-Netzwerkabend am 24.09.2026 ab 17:00 Uhr im Green Office ein!
Downloads
Impulse für Nachhaltigkeit in der Lehre
Grundlage für Nachhaltigkeit in der Lehre sind unter anderem die Brundtland-Definition, die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sowie das Konzept der planetaren Grenzen. Viele Plattformen und Bildungsanbieter bieten Lehr- und Lernmaterialien zu diesen Konzepten an. Auch die Beispielsammlung innovativer Lehrformate der DG HochN bietet eine Übersicht von geeigneten Formaten für die Vermittlung von Nachhaltigkeit und BNE.
Die Plattform CommuniTeach bündelt zentrale Themen und Ansätze für innovative Hochschullehre und bietet Impulse zur Weiterentwicklung von Studium und Lehre – auch im Kontext Nachhaltiger Entwicklung.