An der Hochschule Darmstadt fand kürzlich der erste Fachkongress der Deutschen Gesellschaft für Spielwissenschaft e.V. (DGSW) statt. Rund 70 Lehrende, Studierende und Forschende aus über 50 Hochschulen, Universitäten, Instituten, Verlagen und Spielestudios kamen zusammen, um aktuelle Fragen der Spielwissenschaft, der Games-Forschung, der Spieltechnologie und der Ausbildung im Bereich Games zu diskutieren.
Die Konferenz markierte einen wichtigen Schritt für die institutionelle Sichtbarkeit der Spielwissenschaft in Deutschland. Im Mittelpunkt standen Fragen danach, wie Spiele wissenschaftlich untersucht, gestaltet, vermittelt und gesellschaftlich wirksam gemacht werden können. Diskutiert wurden unter anderem analoge und digitale Spiele, Game Studies, Game Design, Game Development, Gamification, Serious Games, Künstliche Intelligenz in Lehre und Forschung, Curricula von Games-Studiengängen, Forschungsinfrastrukturen sowie Möglichkeiten der Wissenschaftsförderung.
„Die Konferenz hat eindrucksvoll gezeigt, dass Spielwissenschaft in Deutschland längst ein vielfältiges, relevantes und wachsendes Feld ist“, sagt Prof. Stephan Jacob, Ausrichter der Konferenz an der Hochschule Darmstadt. „Unser Ziel war es, Forschende, Lehrende und Praktiker zusammenzubringen, die sich mit Spielen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beschäftigen. Genau das ist gelungen: Es sind neue Kontakte entstanden, zentrale Herausforderungen wurden sichtbar und es wurde deutlich, wie groß das Potenzial dieses Feldes ist.“
Ein besonderer Fokus der Veranstaltung lag auf Vernetzung und Austausch. Neben fachlichen Impulsen und Diskussionsformaten bot die Konferenz Raum für kurze Projektvorstellungen, offene Gespräche und die gemeinsame Entwicklung zukünftiger Perspektiven. Damit verstand sich die Veranstaltung nicht nur als wissenschaftlicher Kongress, sondern auch als Auftakt für eine stärkere gemeinsame Positionierung der Spielwissenschaft in Deutschland.
Deutlich wurde dabei auch, dass die deutsche Spielwissenschaft im internationalen Vergleich noch Entwicklungspotenzial hat. Während sich international unter dem Begriff Game Sciences bereits stärkere wissenschaftliche Strukturen, Publikationsformate und Netzwerke etabliert haben, besteht in Deutschland weiterhin Bedarf an institutioneller Verankerung, Sichtbarkeit und eigenständigen Förderwegen. Gleichzeitig zeigte sich auf der Konferenz ein spürbarer Rückenwind: Aus Wissenschaft, Games-Branche, Industrie und Politik gibt es ein wachsendes Interesse daran, die Forschung zu Spielen, Games und spielbezogenen Technologien stärker zu unterstützen.
Die Konferenz machte deutlich, dass Spielwissenschaft nicht nur für Hochschulen und Forschungseinrichtungen relevant ist, sondern zunehmend auch für die professionelle Spieleentwicklung, für Designprozesse, für technologische Innovationen und für den Austausch zwischen Wissenschaft und Industrie. Gefordert wurden unter anderem eine stärkere Beteiligung der Spielwissenschaft in den Strukturen der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Aufbau eines eigenen wissenschaftlichen Journals sowie weitere Formate zur kontinuierlichen fachlichen Zusammenarbeit.
Auch für die kommenden Jahre plant die DGSW, an diesen Schwung anzuknüpfen. Neben weiteren Austausch- und Vernetzungsformaten sind auch stärker wissenschaftlich ausgerichtete Konferenzen mit Publikationsmöglichkeiten vorgesehen. Ziel ist es, der Spielwissenschaft in Deutschland langfristig belastbare Strukturen zu geben: durch regelmäßige Fachveranstaltungen, wissenschaftliche Veröffentlichungen, Standards, institutionelle Ansprechpartner und eine stärkere Einbindung in nationale und internationale Forschungszusammenhänge.
„Spiele sind ein zentraler Bestandteil unserer Kultur, unserer Medienlandschaft, unserer Bildung und unserer technologischen Entwicklung“, so Prof. Jacob. „Umso wichtiger ist es, dass die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Spielen stärker vernetzt, institutionell verankert und öffentlich sichtbar wird. Diese Konferenz war dafür ein sehr wichtiger Schritt – und zugleich ein klares Signal, dass die Community bereit ist, die nächsten Schritte gemeinsam zu gehen.“
Die Deutsche Gesellschaft für Spielwissenschaft e.V. (DGSW) ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft für die interdisziplinäre Erforschung von Spielen. Sie versteht sich als Dachgesellschaft für alle wissenschaftlichen Perspektiven auf Spiel, Games und spielbezogene Technologien – von Game Studies, Game Design und Game Development über Spielpädagogik, Spielpsychologie und Gamification bis hin zu Serious Games, Spielkultur und Spieltechnologien. Ziel der DGSW ist es, Forschung, Lehre, Transfer und Vernetzung im Bereich Spielwissenschaft zu stärken und dem Feld eine institutionelle Stimme zu geben.
Weitere Informationen zur Konferenz: https://www.spiel-wissenschaft.de/projekte/fachkonferenz.php
Die Teilnehmenden der ersten DGSW-Tagung an der h_da. Foto: h_da