Studieren mit Behinderung

Unter dem Begriff "Behinderung" sind viele Arten von Beeinträchtigungen zusammengefasst. Dazu zählen Sinnes- und Bewegungsbeeinträchtigungen, körperliche Erkrankungen, Teilleistungsstörungen wie Legasthenie und schwere temporäre Einschränkungen. 96% der Behinderungen sind auf den ersten Blick nicht sichtbar1. Maßnahmen zum Nachteilsausgleich sollen behinderungsbedingte Nachteile ausgleichen.

Härtefallantrag (Bewerbung)

5% aller Studienplätze sind für Fälle außergewöhnlicher Härte vorgesehen. Eine außergewöhnliche Härte liegt vor, wenn besondere gesundheitliche, familiäre oder soziale Gründe eine sofortige Aufnahme des Studiums erfordern. Zu den gesundheitlichen Gründen zählen:

  • Krankheit mit Tendenz zur Verschlimmerung
  • Beschränkung auf ein Berufsfeld aus gesundheitlichen Gründen
  • Gefahr, dass eine akademische Ausbildung trotz Hochschulzugangsberechtigung aufgrund von Krankheit nicht erfolgen kann
  • Ortsbindung (bspw. Einbindung in das regionale medizinische Netzwerk, behindertengerechter Wohnraum, Pflege durch Angehörige)

Ein sozialer Grund liegt u.a. vor, wenn eine Person in die Pflege eines Familienangehörigen eingebunden ist und daher einen Studienplatz in Heimatnähe benötigt.

Der Härtefallantrag wird im Zuge des regulären Bewerbungsverfahrens gestellt. Die Gründe müssen ausführlich dargelegt und in geeigneter Weise nachgewiesen wedern, d.h. i.d.R. durch fachärztliche Bescheinigung. Wurde ein Antrag abschlägig beurteilt, wird die Bewerbung automatisch in das reguläre Vergabeverfahren übergeleitet.

Anträge "verbesserte Durchschnittsnote" und "verbesserte Wartezeit"

Die Anträge "verbesserte Durchschnittsnote" und "verbesserte Wartezeit" zielen auf eine Veränderung der Durchschnittsnote bzw. des Zeitpunkts des Schulabschlusses ab. Hierfür ist nachzuweisen, mit welcher Durchschnittsnote der Schulabschluss zu welchem Zeitpunkt ohne erschwerende Umstände hätte erzielt werden können. Leider haben solche Anträge in der Regel wenig Aussicht Erfolg, weil das erforderliche Gutachten der Schule sehr selten ausgestellt wird.

Studienfinanzierung

Nachteilsausgleich (Studium)

Ebenso wie gesundheitliche Beeinträchtigungen und deren Auswirkungen individuell sind, sind auch Maßnahmen des Nachteilsausgleichs stets einzelfallbezogen. Gerne unterstützen wir Sie bei der Planung der einzelnen Schritte in Absprache mit den zuständigen Ansprechpartner*innen Ihres Fachbereichs. Rechtsgrundlage ist §10(6) der ABPO der Hochschule Darmstadt.

beispielhafte Maßnahmen

  • veränderte Prüfungsbedingungen
    • Umwandlung von Prüfungsformen
    • verlängerte Prüfungszeit
    • Platzreservierung
    • Nicht-Bewertung von Rechtschreibfehlern
  • angepasste Studienbedingungen
    • Verschieben von Prüfungsterminen
    • Verlängerung von Abgabefristen
    • Leistungssplitting
    • punktuelle Befreiung von der Anwesenheitspflicht
    • Möglichkeit der Wahrnehmung von Therapiemaßnahmen und Pflegeleistungen
  • Hilfsmittel
    • Kompensierungssoftware
    • individuell angepasste Arbeitsplätze

Antrag (Musterantrag für den Nachteilsausgleich)

Erste Ansprechpartnerinnen und -partner sind die Vorsitzenden der Prüfungsausschüsse der Fachbereiche. Es wird dringend empfohlen, den Bedarf möglichst früh und in aus Gründen der Nachvollziehbarkeit in schriftlicher Form anzumelden.

ärztliche Bescheinigung (Musterbescheinigung für eine ärtzliche Bescheinigung)

Erforderlich ist

  • eine fachärztliche Bescheinigung, wenn erstmals eine Behinderung diagnostiziert wird,
  • eine hausärztliche, den Allgemeinzustand beschreibende Bescheinigung, wenn die Patientin bzw. der Patient aufgrund einer fachärztlichen Diagnose langfristig betreut wird,
  • eine therapeutische Bescheinigung, wenn auf Grundlage einer fachärztlichen Diagnose langfristig therapeutisch behandelt wird.

Die Bescheinigung muss folgendes beinhalten:

  • eine für Laien verständliche Beschreibung der Symptomatik,
  • eine Beschreibung, wie sich die Beeinträchtigung im Studium auswirkt,
  • konkrete Empfehlungen zu angemessenen Ausgleichsmaßnahmen.

Bei Folgeanträgen oder längerfristigen Nachteilsausgleichen kann auf eine ärztliche Bescheinigung verzichtet werden, wenn der Nachweis bereits zu einem früheren Zeitpunkt erbracht wurde.

Beurlaubung

Bei Vorlage eines ärztlichen Attests ist eine Beurlaubung zeitlich unbegrenzt und auch im ersten Fachsemester möglich. Das Attest sollte die krankheitsbezogenen Umstände beschreiben. Die voraussichtliche Dauer der Erkrankung muss dem Zeitraum des Semesters entsprechen.

Broschüre "Chancengleich Studieren"

Leitfaden zum Studium mit Behinderung, chronischer Erkrankung oder temporärer Einschränkung

(Selbst)hilfe

Karriere

MyHandicap: Jobbörse für Menschen mit Behinderungen
Bundesagentur für Arbeit: Service für schwerbehinderte Akademiker*innen
talentplus: Rechte und Pflichten von Arbeitnehmer*innen mit Behinderung
myAbility Talent®: Bewerbungstraining für Matching Day mit Recruiter*innen


1Poskowsky, Jonas, Sonja Heißenberg und Sarah Zaussinger und Julia Brenner (2018): beeinträchtigt studieren – best2. Datenerhebung zur Situation Studierender mit Behinderung und chronischer Krankheit 2016/17, Berlin. Online unter: www.studentenwerke.de/sites/default/files/beeintraechtigt_studieren_2016_barrierefrei.pdf, [Stand: 13.07.2020].

Weitere Informationen

Persönliche Studienberatung

Mathias Ihrig ist Beauftragter für Studierende und Studieninteressierte mit Behinderung und/oder chronischer Erkrankung und Ombudsmann für Streitfragen.
+49.6151.16-38507
mathias.ihrig@h-da.de

Tag

Uhrzeit

Rufnummer

Montag

10:00–12:00

+49.6151.16-33334

Dienstag

10:00–12:00

+49.6151.16-38856

Mittwoch

13:00–15:00

+49.6151.16-38510

Donnerstag

13:00–15:00

+49.6151.16-38948