Mehrwegbecher-System für Darmstadt: h_da, Stadt Darmstadt und Partner präsentieren Prototyp


Im Schnitt verbraucht jede Darmstädterin und jeder Darmstädter 34 Coffee to go-Einweg-Becher pro Jahr. Jährlich werden somit in Darmstadt mehr als 5 Millionen Becher entsorgt. Daran wollten Studentinnen der Hochschule Darmstadt (h_da) etwas ändern und präsentierten Oberbürgermeister Jochen Partsch vor gut zwei Jahren in der Ringvorlesung der "Initiative: Nachhaltige Entwicklung" (i:ne) ihre Vision einer Mehrwegbecher-Lösung für Darmstadt. Hieraus entwickelte sich ein Kooperationsprojekt von h_da und Stadt Darmstadt, an dem neben dem Umweltamt unter anderem die HEAG, der EAD, "e-hoch-3" sowie das Studierendenwerk beteiligt sind. Zum Auftakt der Europäischen Woche der Abfallvermeidung stellten die Partner den Prototyp des Mehrwegbechers vor und gaben Einblicke in das dazugehörige Pfandsystem.

Das Darmstädter Mehrweg-System soll einerseits unter ökologischen Gesichtspunkten überzeugen, über das Design des Bechers aber auch Genuss und Emotion ansprechen. Mit Blick auf die Ökologie sind mindestens 20 Prozent weniger Einwegbecher in Darmstadt das gesteckte Ziel. Das entspräche über 100.000 Becher bzw. 12 Tonnen weniger Müll pro Jahr. Somit würde der Mehrwegbecher zu Abfallvermeidung und Ressourcenschonung beitragen.

"Oftmals werden Einwegplastikverpackungen- oder Becher achtlos entsorgt und können schlimmstenfalls als Mikroplastik in die Umwelt, Nahrungskreisläufe oder Weltmeere gelangen. Mit dem ´Darmstädter Weg´ des Mehrwegbechersystems wird also nicht nur Ressourcenschonung und Abfallvermeidung betrieben, sondern auch Umwelt- und Naturschutz umgesetzt", erläutert die Darmstädter Umweltdezernentin Barbara Akdeniz.

Wichtig für die ökologische Bilanz des Bechers ist neben optimalen Herstellungs- und Spülprozessen aber auch die Zahl der Umläufe. Diese Faktoren will die h_da im Rahmen einer Begleitforschung künftig fortlaufend überwachen und so das System kontinuierlich verbessern auf Basis einer ökobilanziellen Bewertung durch das Beratungsunternehmen "e-hoch-3".

Das visuelle Erscheinungsbild des Mehrwegbechers ist elegant und wertig. Der Becher ist mit fünf sanften, senkrechten Lamellen versehen, die Assoziationen an den Darmstädter Hochzeitsturm wecken. Entwickelt wurde der Becher von h_da-Industriedesignern um Prof. Tom Philipps im Institut für Innovation und Design (IFID). Dies ausgehend von einem so genannten Design Thinking-Workshop im Kontext des Exzellenz-Vorhabens "Systeminnovation für Nachhaltige Entwicklung" (s:ne) an der h_da Anfang 2018. Der Becher besteht zunächst aus dem Material Polypropylen, das sich als ökologisch vorteilhaft erwiesen hat. Eine Version aus Keramik soll folgen.

"Die Besonderheit an dem Darmstädter Mehrwegbecher ist, dass auch der Deckel mit zum Mehrweg-System gehört und nicht wie meist üblich ein Einweg-Produkt ist", betont Prof. Tom Philipps. "Dies wirkt sich besonders positiv auf die ökologische Bilanz aus. Da der Deckel wiederverwertbar ist, haben wir ihn zudem auch gestalterisch von Beginn an integral mitgedacht, auch dies ist eine Besonderheit unseres Darmstädter Weges."

Gemeinsam mit der HEAG entwickelt das IFID den Darmstädter Mehrwegbecher aktuell zur Marktreife und erarbeitet hierfür ein Vertriebskonzept. Das Darmstädter Studierendenwerk, die Bäckerei Bormuth und lokale Cafés wie das Vino Central konnten bereits als Pilot-Partner gewonnen werden. "Der Bedarf für ein Mehrwegsystem in Darmstadt ist absolut vorhanden, denn in kurzer Zeit konnten wir viele Partner für unser Projekt gewinnen", erläutert Daniel Pfeffer, Projektleiter Unternehmensentwicklung bei der HEAG. Er ist Ansprechperson für Gastronomen oder auch Investoren, denn bis zur Markteinführung im Frühjahr 2019 sollen noch weitere Projektpartner gefunden werden.

Bei diesen Partnern kaufen die Verbraucherinnen und Verbraucher zum gewohnten Heißgetränk im Mehrweg-Becher künftig einmalig eine Pfandmarke. Während sie den benutzten Becher im Geschäft abgeben und dieser für eine erneute Nutzung gespült wird, erhalten sie gegen die Pfandmarke in allen weiteren Partnergeschäften frisch gespülte Becher. Der Becher kann aber auch wiederbefüllt werden. Um sowohl den Spülvorgang wie auch das Bechermaterial kontinuierlich zu prüfen und zu optimieren, plant die h_da ein sogenanntes Reallabor, welches die dazu notwendigen Daten erhebt. Daran sind auch das Darmstädter Umweltamt und der EAD beteiligt.

Im Rahmen der Europäischen Woche der Abfallvermeidung (bis einschließlich 23. November) werden die Mehrwegbecher-Prototypen öffentlich in Darmstadt ausgestellt. Zu sehen sind sie im Rahmen eines Aktionstags des EAD am Samstag, 17. November, auf dem Ludwigsplatz (10-15 Uhr) sowie von jeweils 11-14 Uhr an folgenden Tagen in den Darmstädter Mensen des Studierendenwerks: am 20. November in der Mensa Stadtmitte, am 21. November in der Mensa Lichtwiese und am 22. November in der Mensa Schöfferstraße.

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