Die Kunst als schwarzer Faden

Kunst und Architektur haben Stefan Mayer-Twiehaus schon während seines Architekturstudiums an der h_da gleichermaßen begeistert. Heute macht der Darmstädter beides: Er arbeitet als festangestellter Architekt und als freischaffender Künstler.

In seinem Atelier fällt die Nähmaschine als erstes in den Blick. Daneben eine Kiste, in der sich Garnrollen stapeln. Schwarze elastische Schnüre in unterschiedlicher Stärke, die Stefan Mayer-Twiehaus in seinen grafischen Zeichnungen und raumgreifenden Installationen verwendet. Es ist der schwarze Faden, der sich wie ein roter durch das künstlerische Werk des ehemaligen h_da-Studenten zieht.

Nach seinem Studium war der gebürtige Nordbadener als festangestellter Mitarbeiter in verschiedenen Architekturbüros in Frankfurt beschäftigt. Für die Kunst bleib nur wenig Zeit. Bis er eine Entscheidung traf: Um seiner künstlerischen Arbeit mehr Raum zu geben, reduzierte er die Arbeitszeit im Architekturbüro. Eine Lösung, die er als „sehr befreiend“ beschreibt.

Handwerker, Architekt und Künstler in einer Person

Künstlerische Projekte hat Stefan Mayer-Twiehaus schon während seines Architekturstudiums an der h_da geschätzt. „Mein Studium war sehr entwurfsorientiert. Es war auch ein Spielfeld für Videos, Rauminstallationen oder Skulpturen. Das hat mir gut gefallen und viel Spaß gemacht“, erinnert sich der Alumnus, der von 1997 bis 2003 an der Hochschule studierte. Bereits als Student bearbeitete er Raumplanungen konzeptionell mit künstlerischen Herangehensweisen.

Nach seinem Abschluss war er als Diplom-Architekt zunächst freiberuflich unterwegs. „Es gab mal Pläne nach New York zu gehen“, lacht er, „aber dann ist es doch beim Rhein-Main-Gebiet geblieben.“ Bedauert hat er die Entscheidung nicht. „Die Region hier hat sehr viel zu bieten.“ Mit einer Festanstellung im Architekturbüro „Jo. Franzke“ und dem späteren Wechsel zu „Meixner, Schlüter und Wendt“ vertiefte er sein Wissen vor allem in der Bearbeitung großer Bauvorhaben. Stets mit Wohnungsbau befasst war Mayer-Twiehaus an preisgekrönten und prestigeträchtigen Bauvorhaben wie AXIS im Europaviertel in Frankfurt oder dem Neubau des Henninger Turms in Frankfurt-Sachsenhausen beteiligt.

Die Arbeit gefällt ihm, vor allem die Teamarbeit mit allen Beteiligten, den Bauherren und Handwerkern ist ihm wichtig. Als junger Mann hat er eine Ausbildung als Zimmerer gemacht. „Es war klar, dass ich studieren würde, aber ich wollte vorher auf der anderen Seite gestanden haben. Das hilft, Gedankengänge aus unterschiedlichen Perspektiven zu sehen. Eine gute Erfahrung für die spätere Arbeit“, findet er.

Als Architekt vorwiegend in Planungsabläufe involviert, vermisste er zusehends die kreative Seite. Seine künstlerische Arbeit blieb zu dieser Zeit auf den abendlich abgeräumten Esstisch beschränkt. Das änderte sich mit dem Umzug in ein Atelier in Darmstadt, das Platz für drei weitere Kunstschaffenden bietet und auch als Veranstaltungsort dient. Perspektivisch, hofft er, soll das künstlerische Schaffen einmal Schwerpunkt seiner beruflichen Tätigkeit sein.

Fadenschein und Lichtinstallationen

Auch in der Kunst verabschiedet sich Stefan Mayer-Twiehaus jedoch nicht ganz von der Architektur. Er sieht viele Berührungspunkte zwischen bildender Kunst und Architektur. „Ich versuche darüber hinaus, zwischen Baukunst, bildender und darstellender Kunst, Neuen Medien, Musik, Tanz und Literatur Bezüge auszuloten.“ So entstand mit dem „Semiotik Labor 01“ eine Raumstruktur, die aus einer abgehängten Decke, einer Rückwand und einem schwebenden Boden besteht. Boden- und Deckenplatte sind mit elastischen Fäden verbunden. Diese Konstruktion versetzt die Bodenplatte in einen schwebenden Zustand, der nicht gleich zu erkennen ist. Erst durch das Betreten der Raumskulptur senkt sich der Boden ab und bringt gleichzeitig die Fadenstruktur in Bewegung. Für das Festival „dazz JAZZ WINTER Darmstadt“ wurde dieser quadratische Raum innen mit weißem elastischem Stoff gefüttert und beleuchtet. Eine Bühne für den Schattenwurf zweier Tanzender und die musikalischen Improvisationen des Jazzsaxophonisten Christof Lauer.

Ebenfalls von räumlichen Strukturen ausgehend, entwarf der h_da-Alumnus die Lichtinstallation „Mnemosyne 2“, die in der Darmstädter Michaelskirche zu sehen war. Die Lichtstrahlen eines Scheinwerfers im Kirchturm schickte Mayer-Twiehaus durch ein verzweigtes Spiegelsystem in unterschiedlicher Bündelung, Richtung und Streuung bis in den Altarbereich. Dort verwandelte eine Spiegelskulptur den konzentrierten Lichtstrahl in eine Lichtexplosion, die durch das Mosaikfenster in den Stadtraum dringen konnte. Verstärkt durch Trockennebel entstand eine fast schon mystische Atmosphäre.

Derzeit arbeitet der Darmstädter an einer neuen Idee, für die er noch Unterstützer sucht: Er will eine Schlachtstraße bauen, in der er halbierte Autos präsentiert: Eine Allegorie auf den Abgas- und Dieselskandal, auf Massenproduktion und die „Krankheiten des Systems“. Für ihn eine Rauminstallation „als Zeitzeichnen der Gegenwart und Zukunft“.

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Autorin

Astrid Ludwig