Mit Magnetsensoren zu einer besseren Diagnostik

Eric Elzenheimer hat den Taunus gegen die Kieler Förde eingetauscht. Der Alumnus der Hochschule Darmstadt gehörte jeweils zum ersten Bachelor- und Master-Jahrgang in Elektro- und Informationstechnik an der h_da und war 2013 auch als erste Lehrkraft für besondere Aufgaben am Fachbereich EIT angestellt. Ziel war schon damals die Promotion. Die macht der 32-Jährige seit 2015 an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel.

Berge und ausgedehnte Wälder gibt es an der Ostseeküste bekanntlich keine und manchmal, räumt Eric Elzenheimer schmunzelnd ein, vermisse er schon ein wenig seine frühere Heimat, den Taunus und den Feldberg. Doch dafür ist er jetzt in nur wenigen Minuten mit dem Rad an der Förde, genießt die gute Seeluft, geht in seiner Freizeit Kite- oder Windsurfen. Wassersport hat er schon immer geliebt. „Ein guter Ausgleich zur Forschungsarbeit an meiner Promotion“, sagt er. In den Norden zu ziehen, hat der 32-Jährige nicht bereut. „Die Menschen hier sind sehr viel entspannter als in Ballungsgebieten wie etwa dem Rhein-Main-Gebiet“, findet er.

Seit 2015 forscht der h_da-Alumnus an der Universität Kiel an seiner Doktorarbeit. Der Ingenieur der Elektro- und Informationstechnik hat sich auf die medizinische Signalverarbeitung spezialisiert. Thema seiner Forschungstätigkeit ist die multimodale Kartierung von Nervenpathologien mit magnetoelektrischen Sensoren. Für den Laien übersetzt heißt das: Elzenheimer forscht mit Hilfe von Magnetsensoren an einer verbesserten Diagnostik bei Erkrankungen des menschlichen Nervensystems. „Die medizinische Signalverarbeitung ist ein Zukunftsbereich“, betont der h_da-Alumnus.

Labore reizten anfangs mehr als die Theorie

Dass er Ingenieur werden wollte, wusste der gebürtige Neuenhainer – ein Stadtteil von Bad Soden – schon früh. Sein Vater war Mechaniker und Abteilungsleiter in einem großen Unternehmen und förderte das Technikinteresse des Sohnes. Schon als Kind verbrachte Elzenheimer viel Zeit mit Baukästen, als Jugendlicher glänzte er mit guten Noten in den naturwissenschaftlichen Fächern. Nach der Schule absolvierte er mehrere Praktika bei Siemens VDO Automotive und schrieb sich 2007 an der Hochschule Darmstadt schließlich für Elektro- und Informationstechnik ein. „Die h_da hatte einen guten Ruf und ich war schon immer sehr anwendungsorientiert. Die fachspezifischen Labore haben mich zu dieser Zeit mehr gereizt als die Theorie“, sagt er. Bei der anfänglichen Leidenschaft für die Praxis und Labore blieb es dann jedoch nicht. Im Laufe des Studiums entdeckte Elzenheimer ebenso seine Liebe zur Theorie, vertiefte sich in Fachfragen und Theoriewissen. Er wollte den Dingen auf den Grund gehen, verstehen, warum was wie funktionierte. „Ich habe die EIT-Professoren mit meinen ausführlichen Fragen gelöchert“, erinnert er sich.

Zur Promotion ermutigt

Der Industrie blieb er auch während des Studiums verbunden. Er arbeitete als studentische und wissenschaftliche Hilfskraft nicht nur an der h_da, sondern auch bei Continental Automotive. Das Unternehmen half bei der Auswahl der Themen für seine Bachelor- sowie seine Masterarbeit. Dabei ging es um ein spezielles Soundmodul fürs Autocockpit, das sicherheitsrelevante Warnsignale an den Fahrer oder die Fahrerin qualitativ hochwertig wiedergibt. Mehrere Monate arbeitete Elzenheimer als Hardware-Entwickler für Continental Automotive. So sammelte er schon während des Studiums Berufserfahrung.

Der 32-Jährige schloss sowohl seine Bachelor- als auch seine Masterarbeit mit Vertiefungsrichtung Kommunikationstechnologie mit Einser-Note ab. An der Hochschule, lobt Elzenheimer, habe er viel Förderung erfahren, wobei er am Fachbereich EIT insbesondere Prof. Dr. Michael Kuhn und Prof. Dr. Ulrich Schultheiß erwähnt. Sie ermunterten ihn in seinem Vorhaben, einen Doktortitel zur weiteren Qualifikation anzustreben, sagt er.

Lehrkraft für besondere Aufgaben

2013 trat Eric Elzenheimer eine Stelle als Lehrkraft für besondere Aufgaben am Fachbereich EIT der h_da an. „Das sollte die Promotion ermöglichen“, sagt er. Die Arbeit war aufgeteilt in 50 Prozent Lehrtätigkeit und 50 Prozent Forschung. „Ich habe hierbei vielfältige Erfahrungen in der Lehre sammeln können. Das macht es mir heute sehr viel leichter, mein Fachwissen etwa auf Konferenzen gut zu präsentieren“, sagt er. 2015 fand er an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel am Lehrstuhl für Digitale Signalverarbeitung und Systemtheorie bei Prof. Dr. Gerhard Schmidt eine neue Herausforderung in der Forschung. Dort wurde gerade ein Mitarbeiter für ein neues Forschungsprojekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Bereich der medizinischen Signalverarbeitung gesucht.

Neue thematische Herausforderung

Erst im hohen Norden wechselte Elzenheimer von der Automotive-Thematik in die medizinische Signalverarbeitung. Ein Neuanfang und eine zunächst neue Aufgabenstellung: „Doch das interdisziplinäre Thema hat mich motiviert.“ Die Entscheidung hat er nicht bereut. „Das ist ein aufstrebender Bereich“, sagt er. Seine Doktorarbeit hat er schon nahezu unter Dach und Fach. „Zum Glück hatten wir bereits vor Beginn der Pandemie alle nötigen Messungen an Probanden vorgenommen“, berichtet er. Das Coronavirus hat seine Pläne daher nicht durcheinandergewirbelt. Derzeit konzentriert er sich auf das Schreiben seiner Dissertation.

Auch nach der Promotion möchte der h_da-Alumnus in Kiel bleiben. Derzeit ist bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ein Antrag der Universität Kiel und seines Fachbereichs für die Fortführung seines Forschungsthemas eingereicht, an dem er, wenn der Antrag genehmigt wird, als Post-Doc gerne mitarbeiten würde.

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Autorin

Astrid Ludwig
September 2020