Wir sind Familie

Nicht nur Studierende können über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) an Partnerunis im Ausland wechseln, auch Hochschulmitarbeitern stehen die Programme offen. Alumni-Referentin Christine Haller ergriff die Chance und holte sich in den USA Anregungen für ihre Arbeit mit und für Ehemalige der h_da.

Den weißen Pompon hat Christine Haller behalten. Ein Mitbringsel aus Pennsylvania, das jetzt auf dem Schrank in ihrem Büro am Darmstädter h_da-Campus liegt. Der Tuff aus langen, dünnen Plastikbändern hing während einer Dankesfeier an der "PennState Harrisburg" an ihrem Stuhl. Immer wenn ein freiwilliger Helfer besonders gefeiert wurde, griffen die Gäste zu den weißen Cheerleader-Bändern und riefen "We are PSU, we are PennState University". Eine etwas andere Feier als daheim an der Hochschule Darmstadt. "Sehr lebhaft, sehr emotional", sagt Christine Haller. Den Pompon wird sie an der h_da wohl nicht einsetzen können, aber eine Erkenntnis hat sie mitgebracht von ihrem Austausch mit der Partnerhochschule in Harrisburg in den USA. "We are family, wir sind Familie. Auf diesem Gefühl enger Verbundenheit fußt die gesamte Alumni-Arbeit amerikanischen Universitäten", sagt die Diplom-Informationswirtin. Seit 2008 baut Haller als Alumni-Referentin den Kontakt zu Ehemaligen der h_da auf. Im Mutterland von Fundraising und Alumniarbeit sammelte sie während des DAAD-Austausches Ideen für ihre Arbeit an der Darmstädter Hochschule.

Alumni sind heute wichtige Botschafter. Nahezu jede Uni oder Hochschule in Hessen und Deutschland hat mittlerweile ein eigenes Netzwerk für ihre Ehemaligen aufgebaut, bietet ihnen Informationen über ihre Alma Mater, kostenlose Serviceleistungen, Veranstaltungen, Vorträge und wirbt um finanzielle oder ideelle Unterstützung. Die Frankfurter Goethe-Universität mit ihren über 46 000 Studierenden zählt 30 000 Alumni. Die h_da mit ihren 16 600 Studierenden steuert auf 10 000 Ehemalige zu, die sich im Alumni-Portal der Hochschule registriert haben. Zum Vergleich: Die PennState mit 5000 Studierenden auf ihrem Campus Harrisburg hat 40 000 Alumni, die renommierte Elite-Uni Yale über 145 000 registrierte Ehemalige, die ihre Almer Mater unterstützen. "Das sind ganz andere Dimensionen", sagt Haller, bedingt natürlich durch eine andere Hochschulfinanzierung, die in den USA sehr viel mehr auf Spenden ehemaliger Absolventen aufbaut.

Über das DAAD-Austauschprogramm "Strategische Partnerschaften und Thematische Netzwerke", für das sich die h_da erfolgreich beworben hatte, kam Haller an die PennState Harrisburg, eine Dependance mit Undergraduate College und Graduate School der Pennsylvania State University. Rund zwei Wochen durfte sie dort in alle Ebenen der Ehemaligen-Arbeit reinschauen. Ein dicht gefülltes Programm. "Das Thema ist in allen Bereichen der Uni präsent, der Prozess durchstrukturiert. Alumni sind überall vernetzt und ein wichtiger Teil des Campuslebens", sagt sie. Alumni spielen eine Rolle bei der Arbeit im Career-Center, im Präsidium, beim Marketing, der Finanz- und Bauabteilung, dem Freiwilligenengagement und vor allem im Sport, der im amerikanischen Hochschulwesen ohnehin einen mit Deutschland kaum vergleichbaren Rang einnimmt. Alumni haben an der PennState ein Studentenheim finanziert, Vorlesungsgebäude, Sportzentren oder auch Stipendienprogramme. Das Alumni-Büro besteht aus sieben Mitarbeitern. Deren Leiterin reist sogar durchs Land, um ehemalige Studierende zu umwerben.

Den Austausch mit den USA beschreibt Christine Haller als große Chance für ihre eigene Arbeit. Sie ist beeindruckt, "wie Alumni-Arbeit dort extrem professionalisiert und mit Leben gefüllt wird". Vom ersten Tag an bauen amerikanische Hochschulen ein Wir-Gefühl mit ihren Studierenden auf. "Wir sind Familie" - teils über Generationen gehen Amerikaner auf die gleiche Hochschule. Es gibt den Siegelring mit Uniwappen, Maskottchen, Feiern, Ehrungen oder auch Picnique mit der Familie. "Die Wertschätzung der Alumni ist riesig."

Vieles davon lässt sich sicherlich nicht 1:1 umsetzen, weiß Haller, "aber an der Stiftung eines Identitätsgefühls" arbeitet sie seit ihrer Rückkehr aus den USA verstärkt. Ein Shop mit h_da Artikeln oder lebendigere Feiern, die die Familie einschließen, lassen sich schließlich auch in Darmstadt realisieren. Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist schon mit dem Flipbuch "An Inside from Outside" geschehen. Das Buch über die Hochschule Darmstadt, das in Regie der Alumni-Abteilung der h_da und Referentin Christine Haller entstanden ist, erschien 2017 im Surface Verlag. Und dass auch andere, familiärere Abschlussfeiern möglich sind, hat der Fachbereich Bauingenieur- und Umweltingenieurwesen unlängst in der Orangerie bewiesen.

Christine Haller schwebt zudem ein verstärktes Mentoring-Programm von Alumni für Studierende vor. Demnächst will sie direkten Kontakt zu Ehemaligen aufnehmen, "um zu hören, was ihnen wichtig ist". Um das Thema an der Hochschule mehr zu vernetzen, hat sie schon Gespräche mit dem h_da-Präsidenten geführt.

Die umtriebige Referentin lässt nicht locker. Vor kurzem hat sie Mark Dollhopf, den ehemaligen Alumni-Verantwortlichen der US Elite-Uni Yale während einer Vortragsreise zu einem Arbeitsessen in Darmstadt getroffen. Dollhopf hat Yale-Alumni wie die Clintons, George W. Bush oder Mitarbeiter der Obama-Administration betreut. "Wir haben viele Ideen entwickelt. Damit wird es mir die nächsten zehn bis 15 Jahre garantiert nicht langweilig", ist Christine Haller überzeugt. Auf ihrer Ideenliste stehen beispielsweise Workshops und Veranstaltung, die für eine vermehrte Aufmerksamkeit für die Ehemaligen in den einzelnen Fachbereichen sorgen. Für aussichtsreich hält sie ein hochschulweites Alumni-Forum unter Beteiligung ausgewählter Ehemaliger. Dazu könnten neben den Alumni-Beauftragten der Fachbereiche, die Dekane, das Präsidium, Vertreter der Alumni-Vereine, aber auch die Fachschaften und der AStA eingeladen werden. Mark Dollhopf würde mit einem Impuls-Referat die Veranstaltung eröffnen und im Anschluss könnten die verschiedenen Gruppen über ihre Vorstellungen einer Alumni-Kultur an der h_da diskutieren. Das würde hochschulweit die Alumni-Arbeit ins Gespräch bringen.

Autorin

Astrid Ludwig